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Chemotherapie: Krebspatienten häufig überoptimistisch

Donnerstag, 25. Oktober 2012
Chemotherapie: Krebspatienten häufig überoptimistisch

Vielen Patienten mit fortgeschrittenem Krebsleiden fällt es schwer, ihr Schicksal zu akzeptieren. Das Angebot einer palliativen Chemotherapie ist für sie der Strohhalm, den sie in der Hoffnung auf eine Heilung ergreifen, die in dem Stadium ihrer Erkrankung nicht mehr möglich ist. Dies erklärt, warum in einer Umfrage des US-National Cancer Institute 69 Prozent der Lungenkrebspatienten und 81 Prozent der Darmkrebspatienten nicht ausschließen wollten, dass die palliative Chemotherapie ihren Tumor doch noch heilen würde, obwohl dies in dem Stadium sehr unwahrscheinlich ist, und die Chemotherapie einzig das Ziel verfolgt, die Beschwerden zu lindern und die Lebenszeit eventuell um einige Monate zu verlängern.

Der Glaube an ein medizinisches Wunder war in allen Altersgruppen vorhanden. Bei den älterem Patienten war es sogar noch stärker ausgeprägt als bei den jüngeren. Auch die ethnische Herkunft spielte eine wichtige Rolle. Vor allem US-Amerikaner asiatischer Herkunft neigten dazu, ihre wirkliche Lage zu leugnen. Ein weiterer Faktor war übrigens das Vertrauen in den Arzt. Patienten, die die Kommunikation mit ihrem Arzt als besonders gut bewerteten, waren häufiger von einer möglichen Heilung überzeugt als solche mit einem weniger gute Draht zum behandelnden Arzt.

Jane Weeks vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, die die Antworten der 1.193 Studienteilnehmer ausgewertet hat, sieht darin eine menschliche Schwäche der Ärzte, der die Mediziner aber nicht nachgeben sollten. Auch wenn es eine große Herausforderung sei, dem Patienten die Diagnose in aller Klarheit zu vermitteln, seien die Mediziner dazu verpflichtet, dem Patienten die Möglichkeiten und Grenzen der palliativen Chemotherapie aufzuzeigen. Nur dann könne der Patient eine Informierte Therapieentscheidung treffen und seine restliche Lebensphase planen.