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MRSA jetzt auch bei Wildtieren

Montag, 22. Oktober 2012
MRSA jetzt auch bei Wildtieren

Anfangs waren Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) auf Kliniken beschränkt. Seit einigen Jahren breiten sich „community-associated“-MRSA auch außerhalb der Keimzentren in den Intensivstationen aus. MRSA sind nicht auf den Menschen und den Medizinbetrieb begrenzt. Sie wurden auch in Viehbeständen gefunden, wo sie Folge des Antibiotikaeinsatzes in der Mast sind. Haustieren und Zootiere können ebenfalls mit MRSA besiedelt sein.

Eine Untersuchung der Universität von Iowa City komplettiert jetzt das Bild, indem sie den Risikokeim erstmals auch bei Wildtieren nachwies. Von 114 Wildtieren, die am Wildlife Care Clinic der US Universität behandelt wurden – es handelt sich um verletzte oder vereinzelt aufgefundene Tiere – waren drei mit MRSA besiedelt: Zwei Waldkaninchen und ein Watvogel. In den Keimen aller drei Tiere wies das Team um Epidemiologin Tara Smith das Gen für das Protein PVL (Panton-Valentine Leukocidin) nach, das Zellmembranen zerstört und nekrotische Läsionen auslösen kann.

Die Keime waren also hochpathogen. Die genetische Untersuchung ergab, dass die MRSA des Watvogels wahrscheinlich aus Kliniken stammten, wobei sich die Frage stellt, wie hier die Infektions­kette verlief (illegale Müllentsorgung in Feuchtgebiete?). Die beiden Kaninchen waren mit „community-associated“-MRSA besiedelt. Sie dürften sich bei ihren Exkursionen in Farmen angesteckt haben. Denn die bei ihnen nachgewiesenen Erreger waren auch gegen Tetrazykline resistent, die in der Viehzucht häufig eingesetzt werden.