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Respiratorische Folgen von Vulkanausbruch und Erdbeben

Mittwoch, 5. September 2012
Respiratorische Folgen von Vulkanausbruch und Erdbeben

Naturkatastrophen können sich negativ auf die Atemwege der Bevölkerung auswirken. Dies zeigen zwei Studien, die auf der Jahrestagung der European Respiratory Society in Wien vorgestellt wurden: Im Süden von Island kam es nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull zu einem deutlichen Anstieg der Atemwegserkrankungen. Das katastrophale Erdbeben in Christchurch/Neuseeland hat dort die Zahl der Raucher gesteigert.

Die Eruptionen des Vulkans Eyjafjallajökull haben im April 2010 über mehrere Tage den Flugverkehr in weiten Teilen Europas lahm gelegt. Die Aschewolken waren später bis zum Mittelmeer und nach Sibirien nachweisbar. Am stärksten war jedoch die Bevölkerung im Süden von Island exponiert. Dort klagten die Bewohner noch ein halbes Jahr später 2,1-fach häufiger über Schleim in den Atemwegen und 2,0-fach häufiger über Rhinitisbeschwerden als eine nicht-exponierte Vergleichsgruppe im Norden des Landes. Die Umfrage, die das Team um Hanne Krage Carlsen von der Universität in Reykjavík in beiden Landesteilen durchführte, ergab außerdem eine 2,9-fach höhere Rate von Augenreizungen infolge der Vulkanemissionen.

Ein halbes Jahr nach dem Vulkanausbruch auf Island kam es in Christchurch/Neuseeland zu dem schwersten Erdbeben seit 80 Jahren. Trotz einer Stärke von 7,1 kamen nur wenige Menschen ums Leben, die ökonomischen Verluste waren jedoch erheblich. Eine Folge war ein Anstieg in der Prävalenz von Rauchern. Nach einer Umfrage, die Lutz Beckert vom Canterbury District Health Board durchführte, haben nicht weniger als 28 Prozent der Nichtraucher erstmals zu Zigaretten gegriffen. Bei den Rauchern stellte Beckert einen Anstieg der täglich gerauchten Zigaretten fest.