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Marathonläufer als Lungenwasserträger

Montag, 3. September 2012
Marathonläufer als Lungenwasserträger

Ob Marathonläufe gesund für den Körper sind, ist umstritten. Tatsache ist, dass die Läufer auf der Ziellinie am Ende ihrer Kräfte sind. Bei vielen legt sich die Dyspnö erst nach einigen Stunden. Der Grund ist nicht allein der hohe Sauerstoffbedarf der Muskulatur. Jeder zweite Marathonläufer hat am Ende des Rennens ein manifestes Lungenödem. Dies zeigt eine Studie, die jetzt auf der Jahrestagung der European Respiratory Society in Wien vorgestellt wurde.

Das Team um Gerald Zavorsky von der Marywood University in Scranton/Pennsylvania hatte beim letztjährigen Marathon der Universitätsstadt bei 26 Läufern 19, 56 and 98 Minuten nach dem Lauf den Thorax geröntgt. Was sie dort sahen, hätte sie in der Klinik wohl zu einer medikamentösen Intervention veranlasst.

Der eine oder andere wäre zur Beobachtung auf die Intensivstation verlegt worden: Jeder zweite Läufer hatte Zeichen eines Lungenödems. Bei jedem fünften wurde es als mittelschwer bis schwer eingestuft. Zavorsky hat die Ursachen für die Wassereinlagerung in der Lunge nicht geklärt. Es bleibt offen, ob es sich um die Folgen einer Hyponatriämie, also einem Salzmangel im Blut, handelte, oder ob vielleicht doch um vorübergehende Pumpschwäche des Herzens vorlag.

Alle Läufer erholten sich innerhalb von wenigen Stunden spontan vom Lungenödem. Einer Therapie war nicht erforderlich. Dennoch stellt sich die Frage, ob die körperliche Belastung nicht doch eine Grenze überschritten hat, die der Gesundheit auf Dauer abträglich ist.