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Blutgruppe als unnützes kardiovaskuläres Risiko

Donnerstag, 16. August 2012
Blutgruppe als unnützes kardiovaskuläres Risiko

Nicht immer bringt die Auswertung der großen prospektiven Beobachtungsstudien sinnvolle Erkenntnisse. Ein Beispiel ist die jüngste Analyse von Harvard-Forschern zu den dort betreuten Daten der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study. Lu Qi stellt fest, dass Menschen mit den Blutgruppen A, B und AB im Vergleich zu Trägern der Blutgruppe 0 signifikant häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln.

Die Hazard Ratios betrugen 1,06, 1,15 und 1,23. Das sind insgesamt niedrige Risiken, die wohl niemanden beunruhigen müssen, auch wenn nach den Berechnungen von Qi 6,27 Prozent aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen darauf zurückzuführen sind, dass es Menschen mit den Blutgruppen A, B und AB gibt. 

Die biologische Ursache für die Assoziation ist unklar. Bekannt ist, dass Menschen mit der Blutgruppe A höherer LDL-Cholesterinwerte haben. Der Typ AB ist mit Entzündungsparametern assoziiert, die eine erhöhte Anfälligkeit erklären könnten. Die American Heart Association rät den Betroffenen vermehrt auf ihre Lebensstil-Risiken zu achten - was aber auch auf Menschen mit Blutgruppe 0 zutrifft, die sich aufgrund des leicht geringeren Risikos nicht in Sicherheit wiegen können vor Erkrankungen, an denen in den Industriestaaten die Mehrzahl aller Menschen stirbt – auch solche mit Blutgruppe 0.