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Bettwanzen auf haarlosem Körper schneller am Ziel

Mittwoch, 14. Dezember 2011
Bettwanzen auf haarlosem Körper schneller am Ziel

Der Mensch hat im Verlauf der Evolution einen Großteil seiner Körperbehaarung verloren. Er ist jedoch nicht völlig nackt. Vor allem Arme und Beine sind mit einem lichten Wald von längeren terminalen oder feineren fast unsichtbaren Flaumhaaren bedeckt. Dies hat durchaus seine Berechtigung, wie Forscher der Universität Sheffield in einem Experiment zeigen.

Den 29 mutigen Freiwilligen wurde ein Unterarm glattrasiert. Auf einem Rechteck von 5 x 10 Zentimetern wurden dann hungrige Exemplare der Bettwanze C. lectularius ausgesetzt. Die Tierchen begaben sich sogleich auf Nahrungssuche, doch sobald sie ihren Rüssel ausfuhren, um ein subkutanes Blutgefäß zu punktieren, wurden sie von den fürsorglichen Forschern entfernt. Das gleiche Experiment wurde am anderen unrasierten Arm der Probanden wiederholt.

Die Gruppe um Michael Siva-Jothy kann zeigen, dass die feinen Haare ein zuverlässiges Instrument der Berührungsempfindlichkeit sind. Die Probanden bemerkten die Wanzen auf dem behaarten Arm früher als auf der unbehaarten Seite. Hinzu kommt, dass die Haare die Wanzen bei ihrer Nahrungssuche behindern. Die Zeit bis zum bevorstehenden Einstich war auf der behaarten Seite verlängert.

Die leichte Behaarung steigert also die Chance, blutsaugende Insekten rechtzeitig aufzuspüren. Da Ektoparasiten eine Reihe von Erkrankungen übertragen, könnte die leichte Behaarung in der Evolution ein Selektionsvorteil gewesen sein. Sie könnte im Vergleich zum Fell auch die Vernichtung der lästigen Insekten erleichtert haben, vermutet Siva-Jothy.

Die verbreitete Sitte die Körperhaare an Beinen oder anderswo zu entfernen, um seine Attraktivität zu erhöhen, könnte durchaus Nachteile mit sich bringen. Kammerjäger berichten, dass sich Bettwanzen in einigen Großstädten stark vermehrt haben. Sollte hier etwa ein Zusammenhang bestehen?