aerzteblatt.de

„Wir danken dem Militär“

Mittwoch, 16. November 2011
„Wir danken dem Militär“

Die Rolle, gesellschaftliche Bedeutung und Ruf des Militärs könnte kaum unterschiedlicher sein als zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA. Während in Deutschland das Militär nur minimal präsent ist, treffe ich es selbst in unserem Lehrkrankenhaus regelmäßig an, wo wir eigens für Militärangehörige einen separaten, schönen Aufenthaltsraum eingerichtet haben.

Er wird das „Freiheitszimmer“ („liberty room“) genannt. Immer wieder begegnen mir auch Patienten und Pflegepersonal, die Schleifen oder Armbänder tragen auf denen 2Unterstützt unser Militär“ steht.

Besonders fiel mir dieser Unterschied jedoch am 11.11. in meinem Lehrkrankenhaus auf. Wie manche Leser wissen, ist der 11. November seit 1919 in den USA ein staatlicher Feiertag. Er geht auf das Ende des 1. Weltkrieges zurück, der am 11.11.1918 um 11 Uhr offiziell beendet wurde. Die Hauptfeier findet jedes Jahr um 11 Uhr am 11. November im Nationalfriedhof im US-Bundesstaat Virginia statt (siehe hierzu http://www.va.gov/opa/vetsday/), viele kleinere Feiern jedoch US-weit an diversen Orten.

In meinem Lehrkrankenhaus kam es am 11.11. ebenfalls zu einer Militärfeier. Schon auf dem Weg zur Arbeit sah ich unzählige USA-Flaggen vor Wohnhäusern gehisst. Schulen, Universitäten und staatliche Behörden waren natürlich geschlossen.

Im Krankenhaus angekommen, bemerkte ich sofort, dass besonders viele Patienten und Besucher Hemden mit der Aufschrift „USA“- oder „Unterstützt unsere Truppen“ trugen. Im Krankenhaus selber hielt man morgens eine kleine Feier für die Veteranen und Militärangehörige ab und symbolisch erhielten eigens zur Ehrung  angereiste Soldaten Geschenke.

Bei ihrem Gang durchs Krankenhaus wurden sie allenthalben angehalten und von wildfremden Menschen umarmt oder zumindest  ihr Einsatz für USA gedankt. Veteranen trugen  Kappen auf denen zu erkennen war, wo sie gedient hatten (zum Beispiel „Korea“, „Vietnam“ oder „WW II“) und auch sie wurden immer  wieder  angehalten und ihr Einsatz fürs Vaterland gedankt.

Wie anders ist doch Deutschland. Zwar haben wir in Deutschland eine nicht ganz unähnliche Tradition mit unserem „Volkstrauertag”, der am zweiten Sonntag im November begangen wird, aber sowohl Form als auch Name und Auftreten der Politiker unterscheiden sich eklatant. Außerdem wird dem bundesdeutschen Militär nicht eben viel Respekt  gezollt.

Ich überlasse es dem Leser zu entscheiden, welche Form der militärischen Ehrung er bevorzugt und wie er reagieren würde, wenn er in USA lebte.

Andreas Skrziepietz am Freitag, 18. November 2011, 14:01
Marx läßt grüßen
"Die Ideologie der herrschenden Klasse wird zur Ideologie der Gesellschaft". Auch bekannt als "Stockholm-Syndrom".