aerzteblatt.de

Warum der medizinische Nobelpreis wieder in die USA geht

Montag, 10. Oktober 2011
Warum der medizinische Nobelpreis wieder in die USA geht

Zum wiederholten Male hat ein US-Amerikaner den medizinischen Nobelpreis gewonnen und zum wiederholten Male haben die US-Medizin und die US-Forschung bewiesen, dass sie höchstes Niveau besitzen. Sie sind weltweit führend auf sehr vielen Gebieten, die Medizin zählt hierzu.

Als Arzt spürt man das allenthalben: So hat in meinem Krankenhaus z.B. das deutlich teurere, aber auch etwas effektivere Prasugrel das Clopidogrel zunehmend ersetzt, Dabigatran tritt immer öfters an die Stelle des Vitamin-K-Antagonisten und neue robotorassistierte Operationen sind längst Alltag in hiesigen OP-Sälen. Man spürt die Präsenz der Forschung und die dauerhafte Rückkopplungsmechanismen in den klinischen Alltag.

Doch wieso ist die US-Medizin so erstklassig? Wieso gehen so viele Nobelpreise an US-Amerikaner? Einige Vermutungen, die ich gerne zur Diskussion stellen will:

Erstens, weil das medizinische System sehr technologiefreudig ist und Innovationen zügig eingeführt werden. Ein PET-CT ist nun einmal besser als simple CT-Tumordiagnostik. Mein iPhone als Piepser ist zuverlässiger als ein klassischer Piepser.

Zweitens, weil die Verzahnung Forschung und klinische Medizin eine sehr intensive ist: Andauernd werden wir im Krankenhaus angesprochen, Forschung  zu  betreiben, und es werden uns Forschungsprojekte nahezu aufgedrängt. Wöchentliche evidenzbasierte Konferenzen und stetige Qualitätsverbesserungsschulungen sind weitere Aspekte, uns Ärzte auf dem Laufenden zu halten.

Drittens, weil die US-Medizin eine hohe Anziehungskraft international besitzt, immigrieren überdurchsschnittlich hart arbeitende und/oder begabte Ärzte und Forscher in die USA. Dort erhalten sie eine sehr gute Entlohnung bei zumeist niedrigeren Steuersätzen und sehr gutem Forschungs- und Arbeitsumfeld. Beruflich wie auch finanziell geht es mir z.B. deutlich besser als in der EU.

Viertens, weil die US-Gesellschaft bereit ist einen großen BIP-Anteil in die Medizin zu investieren, kann man mehr Ressourcen hierfür einsetzen.

Wenn dann dieses Jahr bei der Nobelpreisverleihung – erneut – vor allem Englisch, vor allem mit amerikanischem Dialekt, gesprochen und gehört wird, dann wird niemand überrascht sein. USA ist weiterhin Weltklasse, eben auch im medizinischen Bereich.

Bruddler am Mittwoch, 12. Oktober 2011, 16:42
klasse Medizin
Tja, Petrulus, leider leider hast Du vergessen, daß in der klinischen Medizin mehr nicht automatisch besser ist. Die Übertherapie ist ein riesiges Problem. Sie ist oft unethisch und erzeugt vermeidbares Leid. Und zwar ausdrücklich auch dann, wenn Patienten und Familien es "unbedingt wollen." Das passiert überall, wo das "amerikanische System" angewandt wird.
chris.goepfert am Dienstag, 11. Oktober 2011, 15:29
Viel Geld und viel Leute
Auch ich lebe und arbeite in den USA, und ich sage hiermit: das medizinische System im allgemeinen ist KLINISCH (voellig entgegengesetzt zur Forschung) maximal mittelmaessig. Die klinische Medizin wird hauptsaechlich von nurses betrieben und erfolgt streng protokollgetrieben. Es wird sehr viel kompensiert mit Unmengen von Geld und Leuten. Von beidem gibt genug. Forschung ist, genauso wir alles andere in den USA, 100% money driven und ein Geschaeft. Ja es stimmt: es erfolgt ein braindrain: gute Leute werden akquiriert, und wenn man jung, begabt, ehrgeizig und gesund ist, wird man es da zu etwas bringen. Zudem lebt man dort in einer Gesellschaft, die der Meinung ist, die beste der Welt zu sein (wie es ueberhaupt da nur 'the best' gibt, ist schon toll) und dies stetig kundtut. Das faerbt ab, ich weiss schon.
Starmoon am Dienstag, 11. Oktober 2011, 09:41
Hauptsache mir get gut
Naja, das ist wirklich toll und hilft Patienten wie Ärtzen. Aber die zig Millionen US-Bürger, die ausgeblendet werden, niemals Patienten werden können, mit den geringsten "Innovationen" schon mehr als zufrieden wären - die stehen dagegen. Mache sich jeder selbst sein Bild, ob die Lage schief oder schön genannt werden kann. Als verantwortungsbewusster Arzt muss ich das System als soches verurteilen, trotz Nobelpreisregen.
jetfriend am Dienstag, 11. Oktober 2011, 08:29
US bashing???
naja, nach 25 und davon 11 sehr bewußten jahren (von 14 bis 25) unter der sowjetknute in der ddr und dem augebnschein, was die usa als verbündeter mit der alten bunten republik gemacht haben, erlaube ich mir den luxus einer eigenen meinung zur usa und auch zu den wohlsituierten stuttgarter wutbürgern. links wählen, bürgerlich leben, hahaha
Andreas Skrziepietz am Montag, 10. Oktober 2011, 17:55
USA ist weiterhin Weltklasse
auch wenn es ums kriegführen geht: die mit abstand meisten kriege seit dem 2. wk. :-)