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Morgenstund hat Twitter im Mund;-)

Freitag, 30. September 2011
Morgenstund hat Twitter im Mund;-)

Während Datenschützer sich hierzulande darüber sorgen, welchen Missbrauch soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter mit den Daten gutgläubiger Menschen betreiben könnten, nutzen US-Wissenschaftler die Datenflut für ihre Zwecke.

So durften Scott Golder und Michael Macy von der Cornell Universität in New York die englischsprachigen Textnachrichten von 2,4 Millionen Twitter-Usern aus 84 Ländern auswerten. Dabei wurden – natürlich rechnergestützt – die Worte aufgrund ihrer Bedeutung einem positive Affekt (PA, „freuen“, glücklich“ oder einem negativer Affekt (NA, „ärgern“, „streiten“) zugeordnet. Emoticons wurden ebenfalls berücksichtigt.

Ergebnis: Die Stimmungslage der Menschen unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. Am positivsten sind die meisten Menschen in den Morgenstunden gestimmt. Über den Tag nehmen dann die negativen Äußerungen zu. Der Gipfel der Missstimmung wird um Mitternacht erreicht. Dies war bei Twitterern aus allen 84 Ländern der Fall, weshalb wahrscheinlich hormonelle Einflüsse oder die Auswirkungen der über den Tag zunehmenden Ermüdung eine Rolle spielen.

Natürlich beeinflussen auch kulturelle Faktoren die Stimmung. Die wichtigsten Auswirkungen hat das Arbeitsleben. In allen Ländern steigt bei den Twitterern am Wochenende die Stimmung. In den westlichen Ländern ist dies am Samstag und Sonntag der Fall, in den muslimischen Ländern am Freitag und Samstag, wie die Auswertung der Twitternachrichten aus den Vereinigten arabischen Emiraten zeigte.

Auch die Jahreszeit beeinflusst das Gemüt. Auslöser für die Winterdepression ist allerdings nicht die absolute Tageslänge, sondern die Geschwindigkeit der täglichen Verkürzung. Bis Weihnachten steigen die negativen Affekte. Im Frühjahr überwiegen dann die positiven Gefühle. Der Höhepunkt wird zum Frühlingsanfang erreicht – kurz vor dem Wonnemonat Mai.

In einer weiteren „hedonometrischen“ Studie haben Peter Sheridan Dodds von der Universität von Vermont in Burlington herausgefunden, dass sich auch Feiertage und aktuelle politische Ereignisse auf das Gemüt auswirken. Den positiven Höhepunkt bildet natürlich Weihnachten gefolgt von (in den USA) Thanksgiving und dem Valentinstag.

Auch Ostern und der Vatertag hatten positive Auswirkungen. Einen Absturz in negative Äußerungen gab es dagegen nach dem Erdbeben in Japan und der Tötung bin Ladens. Auch der Tod der Sängerin Amy Winehouse und die Unruhen in London wühlten die Gemüter der zumeist jüngeren Twitter-User auf.