aerzteblatt.de

Väter haben weniger Testosteron

Dienstag, 13. September 2011
Väter haben weniger Testosteron

Die Aussicht auf Windelnwechseln und Gute-Nacht-Lieder fällt vielen werdenden Vätern schwer. Doch die Natur hilft. Die Konzentration der Testosterone, die das Leben junger Männer unstetig machen, sinkt. Dies kam in der Cebu Longitudinal Health and Nutrition Survey heraus, die auf der gleichnamigen Insel auf den Philippinen seit 1983 zunächst den Einfluss der Säuglingsernährung auf die Entwicklung untersuchte.

Später kamen andere Fragestellung hinzu. Inzwischen ist „Cebu“ eine intergenerationelle Studie, und 2005 wurden auch die Testosteronspiegel von 600 Männern untersucht, die damals 21 Jahre alt waren.

Einige heirateten und gründeten Familien, die anderen blieben Junggesellen. Bei den Vätern waren 2009 die Testosteronkonzentrationen am Morgen um Viertel (minus 26 Prozent), die Abendwerte sogar um ein Drittel (minus 34 Prozent) gesunken. Bei den Junggesellen gab es kaum Veränderungen.

Da es äußerst unwahrscheinlich ist, dass einige Männer nur deshalb geheiratet haben, weil sie den Rückgang der Testosteronwerte irgendwie vorhergesehen haben, bleibt nur die Erklärung, dass das häusliche Leben Einfluss auf den Hormonhaushalt hat.

Die Studie zeigt sogar, dass Männer, die sich mehr als drei Stunden am Tag um ihre Kinder kümmerten, die niedrigsten Testosteronspiegel hatten (und dies wohl nicht, weil ihnen die Zeit zum Besuch des örtlichen Fitnessstudios fehlte).

Was den Testosteronspiegel sinken lässt, ist unklar. Ist es die Ernährung oder vielleicht doch die schlaflosen Nächte? Eingefleischte Junggesellen, die jetzt der Fluchtreflex ergreift, dürfen von Hormonpräparaten (aus dem Fitnessstudio, nicht vom Arzt) keine Unterstützung erhoffen. Die Studie zeigt nämlich auch, dass die Männer mit den höchsten Testosteronwerten die ersten waren, die Kinder zeugten und Familien gründeten.