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Wenn der Parkinson die Folge von Mikroinfarkten ist

Dienstag, 6. September 2011
Wenn der Parkinson die Folge von Mikroinfarkten ist

Diagnosen von degenerativer Hirnerkrankungen sind nicht einfach. In den wenigen Fällen, in denen heute noch eine postmortale Untersuchung des Gehirns vorgenommen wird, stellt der Pathologe oft eine andere Diagnose als der Kliniker. Bekannt ist dies beim Morbus Alzheimer. Doch auch beim Morbus Parkinson sind Fehldiagnosen möglich, wie die neueste Publikation zur Religious Order Study zeigt.

Sie umfasst eine Gruppe von 1.100 Nonnen und Priester, die sich seit 1994 jährlich einer ausführlichen klinischen Untersuchung unterziehen. Alle haben sich zu Beginn der Studie bereit erklärt, ihr Gehirn nach dem Tod histologisch untersuchen zu lassen. Inzwischen sind 418 Teilnehmer (im mittleren Alter von 88 Jahren) gestorben.

Die Untersuchungsergebnisse haben Aron Buchman überrascht: In einem Drittel der Gehirne entdeckte der Pathologe makroskopisch sichtbare Infarkte. Fast ein weiteres Drittel wies Mikroinfarkte auf oder Verkalkungen der kleinen Blutgefäße (Arteriolosklerose), die auf permanente Durchblutungsstörungen hinwiesen. Diese Veränderungen waren so klein, dass sie mit den derzeitigen bildgebenden Verfahren wie Computer- oder Kernspintomographie nicht nachweisbar wären.

Doch der Vergleich zu den früheren klinischen Befunden zeigt, dass auch die kleineren Läsionen symptomatisch sein können. In der Studie erklärten sie viele Befunde, die die Ärzte zuvor als Symptome einer Parkinson-Erkrankung gedeutet hatten.

Vor allem die Korrelation mit Gangstörungen war sehr deutlich, berichtet Buchman, der es ablehnt die Mikroinfarkte als normale Alterszeichen zu interpretieren. Sie sind seiner Ansicht nach Anzeichen einer Krankheit, für die Behandlungsmethoden gefunden werden müssten.