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US-Südstaatler müssen auf den Stepper steigen

Montag, 22. August 2011
US-Südstaatler müssen auf den Stepper steigen

Eigentlich ist es ja nicht weiter verwunderlich: in vielen US-Landkreisen, so berichtete kürzlich das US-Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle, ist die Lebenserwartung geringer als in anderen Industriestaaten. In einigen Landkreisen im Staat Mississippi beträgt sie mit 74,5 Jahren bei Frauen und mageren 67 Jahren bei Männern sogar weniger als die der Hondurianer, Peruaner und Salvadorianer.  

Es ist also tatsächlich soweit – und wird durch Studien beispielsweise der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) immer öfter bestätigt: Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht lassen die Amerikaner immer schlechter dastehen – und das in ohnehin wirtschaftlich harten Zeiten.

Nur, weil es immer wieder so aufrüttelnd ist und einfach nicht abreißt, hier einige Zahlen zu Adipositas in den US: 34 Prozent aller US-Amerikaner im Erwachsenenalter leiden unter Fettleibigkeit, das bedeutet, beinahe 73 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten sind stark übergewichtig. Eine Person gilt dann als fettleibig, wenn das Körpergewicht beinahe 14 Kilogramm oder mehr über dem Normalgewicht liegt. 

Am stärksten betroffen sind einem CDC-Bericht zufolge die Staaten im Süden der USA, allen voran das besagte Mississippi mit einer Rate von 34,4 Prozent (am wenigsten Übergewichtige leben im schönen Colorado, wahrscheinlich, weil sie so viel Ski fahren und in den Bergen wandern gehen…oder die Menschen dort sind besonders gebildet, schließlich belegen Studien, dass ein erhöhter Bildungsgrad auch das Körpergewicht positiv beeinflusst…). Die Durchschnittamerikanerin wiegt dem National Center for Health Statistics zufolge in ihren Vierzigern übrigens 78 Kilogramm, die Männer bringen in ihren Vierzigern durchschnittlich knapp 92 Kilogramm auf die Waage. 

Angesichts der durchaus schwierigen wirtschaftlichen Lage der USA lohnt es doch vielleicht, einmal wieder auf den Stepper zu steigen. Besonderes die Südstaatler sollten vor dem morgendlichen Pankcake  ein paar Anstrengungen unternehmen. Schließlich gehen nicht-übertragbare Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Herzkreislaufstörungen mit der unliebsamen Fettleibigkeit einher und ziehen ungeahnte volkswirtschaftliche Schäden durch langen Arbeitsausfall nach sich. DAS können die USA in Zeiten wie diesen nun wirklich nicht gebrauchen!

Andreas Skrziepietz am Dienstag, 23. August 2011, 15:48
DAS können die USA in Zeiten wie diesen nun wirklich nicht gebrauchen!
Warum nicht? Überfallen sie eben noch ein Land.
Ich muß aber Petrulus recht geben: Die Ausflüchte sind berechtigt, denn viele Amerikaner haben einfach keine Zeit für Sport, weil sie rund um die Uhr roboten müssen für ihren unterdurchschnittlichen Lebensstandard, damit die Bankiten in aller Ruhe absahnen können. Um mit Freud zu sprechen:

"Man ist zwar ein elender, von Schulden und Kriegsdiensten geplagter Plebejer, aber dafür ist man Amerikaner." (Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion. In: Massenpsychologie und Ich-Analyse, S. 117. Frankfurt/Main 2007)
petrulus am Montag, 22. August 2011, 22:02
Wie wahr!
Das ist genau richtig: Adipositas nimmt zu, und wir als Aerzte sind - beinahe - hilflos dagegen. Wie einfach das ist, wie schwierig umzusetzen: Die Menschen sollten mehr Sport treiben!
Doch darauf angesprochen hoert man stets Ausfluechte, zum Teil berechtigt, oft aber wirklich nichts weiter als Ausfluechte. Als Arzt will man so gerne helfen, doch fuer sie kann man dann doch nicht auf das Laufband, das Fahrrad, ins Schwimmbad oder aehnlich steigen...