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Leitlinien als SMS: In der Kürze liegt die Würze

Donnerstag, 4. August 2011
Leitlinien als SMS: In der Kürze liegt die Würze

Die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften sind oft hunderte von Seiten lang. Jede Empfehlung wird ausführlich begründet und auf ihre Evidenzbasis abgeklopft. Die Klagen, dass diese Mühe nicht durch die hohe Akzeptanz bei den behandelnden Ärzten belohnt wird, sind verbreitet.

Ohne viele Worte kamen dagegen die Empfehlungen aus, die Dejan Zurovac vom Kenya Medical Research Institute in Nairobi, zur Malaria-Therapie an die Behandler ausgaben. Die Texte durften höchstens 160 Zeichen lang sein. Das ist die allgemeine Begrenzung beim Short Message Service (SMS), die von den meisten Handys empfangen werden können. Es waren also kurze und prägnante Empfehlungen gefragt, wie „Check ALL sick children <5yrs for any severe signs! Also check for fever, cough, diarrhea, pallor & any other problem.“

Jede SMS wurde noch mit einem Motto (hier: “Persistent work triumphs”) versehen. Mehrmals als Tag wurden die SMS verschickt. Und sie sollten ihre Wirkung nicht verfehlen. Der Anteil der Kinder, die eine korrekte Therapie erhielten, wurde im Verlauf der Studie mehr als verdoppelt – von 20,5 Prozent auf 49,6 Prozent. Über einen Anstieg der Therapierate um fast 30 Prozentpunkte würde sich hierzulande jede Fachgesellschaft freuen. Das Modell könnte also Schule machen. Die Kosten für die Einrichtung eines SMS-Servers sind übersehbar.

Allerdings muss man befürchten, dass die Wirkung nachlässt, wenn allzu häufig von verschiedener Seite her SMS eintreffen. Ein Grund für die ungünstige Leitlinien-Adhärenz dürfte in der Komplexität der Medizin in der Industrieländern liegen. Hier hatten es die Teilnehmer der Studie vielleicht einfacher.