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Ägyptische Mumie der erste Koronar-Patient

Mittwoch, 18. Mai 2011
Ägyptische Mumie der erste Koronar-Patient

Die koronare Herzkrankheit ist gewiss kein Privileg der heutigen Menschen. Auch in früheren Jahrhunderten haben Inaktivität und ungesunde Lebensweise den Nährboden für eine Atherosklerose geschaffen, vor allem in der gesellschaftlichen Elite, die körperliche Arbeit vermeiden konnte und am ehesten Zugriff auf kaloriendichte Nahrung hatte.

Einige dürften auch Träger von Risikogenen für hohe Cholesterinwerte gewesen sein. Mangels regelmäßiger Leichenschau und moderner Untersuchungsmethoden konnte die Diagnose früher jedoch nicht gestellt werden. Immerhin wurde ja noch bis in die 1970er Jahre darüber gerätselt, ob der Herzinfarkt tatsächlich das Resultat einer arteriellen Thrombose in den Koronararterien ist. Erst die Erfolge der Thrombolyse sollten die letzten Zweifler überzeugen.

Im Zeitalter von Herzkatheter und Kardio-CT sind sich die Kardiologen ihrer Sache sicher. Der Kardiologe Gregory Thomas von der Universität von Kalifornien in Irvine hat zusammen mit Adel Allam von der Al Azhar Universität in Kairo begonnen Computertomographien von ägyptischen Mumien anzufertigen.

Ihre Ergebnisse sind verblüffend: Von 52 Mumien hatten 44 noch ein identifizierbares Herz oder Arterien. Bei fast der Hälfte fanden die Forscher ausgedehnte Gefäßverkalkungen. Betroffen waren keineswegs nur die Aorta, sondern auch kleinere Gefäße.

Thomas diagnostizierte Carotis- und Koronarstenosen. Das CT der Prinzessin Ahmose-Meryet-Amon, die zwischen 1580 and 1550 v.Chr. lebte, ermöglicht eine klare Diagnose. Erkennbar sind langstreckige Stenosen der linken und der rechten Koronararterie (LCA und LCA), die heute sicherlich eine Indikation für eine Bypass-Operation gewesen wären.

Über die Ursachen der Atherosklerose in der Oberschicht des Alten Ägyptens kann heute nur spekuliert werden. Thomas vermutete neben Bewegungsmangel und ungünstiger Ernährung auch häufige parasitäre Infektionen, die über chronische entzündliche Reaktionen die Atherosklerose gefördert haben könnte.