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Röslers Coup

Mittwoch, 11. Mai 2011
Röslers Coup

Noch-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Rösler wird nicht nur Wirtschaftsminister. Das war angestrebt. Die Biegsamkeit des Bambus hat sich wieder mal bewährt. Der eigentliche Coup aber ist es, Rainer Brüderle, den Verlierer des Machtkampfes, produktiv weiter zu beschäftigen und als den Aufsteiger der Woche zu präsentieren. Das rechnen sich zwar auch andere (Brüderle eingeschlossen) als Verdienst an, als guter Strippenzieher lässt Rösler ihnen den Vortritt, auch das gehört zum Coup. Ein Meisterstück.

Dr. med. Philipp Rösler steigt also auf. Aus der undankbaren Position des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters. Das gab´s noch nie (Seehofer, der auch aufstieg, benötigte mehrere Zwischenstationen). Den Ärzten könnte er fehlen. In banger Vorahnung schrieb dieser Tage Dr. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, sollte Wirtschaftsminister Brüderle "tatsächlich  vom neuen Hoffnungsträger Philipp Rösler abgelöst werden, haben wir ein Problem".

Denn Rösler habe seine Sicht und Denkweise als Arzt in politische Entscheidungen eingebracht. Rösler wollte das beim Deutschen Ärztetag in Kiel am 31. Mai noch mal demonstrieren. Seine Prioritäten dürfte jetzt anders aussehen.

Dr. med. Röslers designierter Nachfolger, Daniel Bahr (34), ist Volkwirt und kommt ursprünglich von der Dresdener Bank.  Er ist aber schon seit zehn Jahren auch im gesundheitspolitischen Geschäft und hat mit Rösler im BMG bisher eng zusammen gearbeitet. Dessen Leistungen sind auch seine (und nicht zu vergessen einiger qualifizierter Beamter).

Während Bahr, der bisherige Parlamentarische Staatssekretär, im Hause bleibt, könnte dem beamteten Staatssekretär Stefan Kapferer ein Wechsel ins Wirtschaftsministerium bevorstehen. Kapferer gilt schon seit dessen niedersächsischen Zeiten als Vertrauter Röslers und folgte seinem Herrn bisher getreulich. Im Wirschaftsministerium wird gerade ein Staatsekretär pensioniert.