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US-Zensus: Homosexuelle hatten häufiger Krebs

Montag, 9. Mai 2011
US-Zensus: Homosexuelle hatten häufiger Krebs

Die Abneigung vieler Deutscher gegenüber Volksbefragungen wird von anderen Ländern nicht geteilt. In Kalifornien führt die Regierung mit dem California Health Interview survey alle zwei Jahre eine Gesundheitsstichprobe durch. Die Bevölkerung akzeptiert die Untersuchung, für die politischen Entscheidungsträger ergeben sich mitunter überraschende neue Einblicke.

So hat jetzt die Gruppe um Ulrike Boehmer von der Boston University School of Public Health herausgefunden, dass homosexuelle Männer doppelt so häufig Krebserkrankungen angeben als heterosexuelle Männer (MSM). Lesbische oder bisexuelle Frauen gaben nach einer Krebserkrankung mehr als doppelt so häufig einen schlechten Gesundheitszustand an, was bei MSM nicht der Fall war.

Die Ursachen sind unklar. Bei homosexuellen Männern liegt es nahe, die Krebserkrankungen mit der HIV-Epidemie in Verbindung zu bringen. Zu den Aids-definierenden Erkrankungen gehören einige Malignome. Die Umfrageergebnisse datieren aus 2001, 2003 und 2005.

Damals stand die hoch-aktiven antiretrovirale Therapie erst seit wenigen Jahren zur Verfügung. Viele Männer, die dank der neuen Medikamente überleben, könnten auch diese Tumoren überwunden haben. Hinzu kommen die durch das humane Papilloma-Virus induzierten Krebserkrankungen wie das Analkarzinom oder auch Kopf-Hals-Tumore, die bei MSM häufiger sind.

Solche Ergebnisse sind durchaus von Bedeutung. Den betroffenen Gruppen zeigen sie, dass eine Prävention wichtig ist und die Früherkennung lebensrettend sein kann. Die Entscheidungsträger sollten darüber nachdenken, ob die Empfehlung zur HPV-Impfung nicht auf MSM ausgeweitet werden sollte.

Es ist noch eine andere Interpretation der Daten möglich. Denkbar ist, dass homosexuelle Männer gesundheitsbewusster leben und Krebserkrankungen bei ihnen früher entdeckt werden. Beantworten kann der Zensus die Frage nicht.

Dazu sind weitere Untersuchungen notwendig. Dies betrifft auch den schlechteren Gesundheitszustand der homosexuellen und bisexuellen Frauen zu, für die Boehmer keine Erklärung hat. Ohne die Volksbefragungen wären die Probleme möglicherweise gar nicht entdeckt worden.