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FluPhone: Handys sollen Grippe-Epidemie verfolgen

Freitag, 6. Mai 2011
FluPhone: Handys sollen Grippe-Epidemie verfolgen

Seit der jüngsten iPhone-Affäre ist allgemein bekannt, dass Smartphones regelmäßig die Bewegungen ihrer Benutzer aufzeichnen. Aus Gründen des Datenschutzes mag dies bedenklich sein. Niemand möchte ein Werbe-Email erhalten, bloß weil er sich gerade in der Nähe eines Geschäfts in der Innenstadt aufhält.

Für Epidemiologen eröffnen die Telefonen mit GPS-Navigation jedoch interessante Möglichkeiten. In der Pilotphase des FluPhone Projekts der Universität Cambridge in England wurden die Teilnehmer mit kleinen “Apps” versorgt, die einerseits regelmäßig die Symptome einer oberen Atemwegserkrankung abfragten. Andererseits wurde aber ständig registriert, ob sich die Teilnehmer in der Nähe anderer Menschen mit den gleichen Symptomen befinden. 

Sofern sich genügend Personen an dem Projekt beteiligen, können die Forscher um Jon Crowcroft demnächst sogar Informationen darüber sammeln, wer auf seinen Wegen durch die Stadt wen angesteckt haben könnte. Dies verspricht nicht nur neue Einsichten in die Dynamik der Grippe-Welle.

Die Software könnte auch jene Personen ermitteln, die – vielleicht ohne es zu wissen, weil sie asymptomatisch sind – als “Super-Spreader” agieren. Denkbar ist auch ein Feldversuch, in dem eine Epidemie simuliert würde. Dies wäre über “Viren” möglich, die von einem Gerät auf ein anderes überspringen, sobald sie sich in der Nähe einer aktiven Bluetooth-Verbindung aufhalten.

Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Die Experimente dürften aber auch Ängste auslösen. Denkbar ist schließlich, dass man dereinst einen Anruf erhält, in dem einem als potentieller „Super-Spreader“ das Verlassen der Wohnung untersagt wird… 

ÄrzteblattBenutzername am Sonntag, 8. Mai 2011, 14:39
Wer die Gefahr mangelnden Datenschutzes nur darin sieht, ...
... möglicherweise einmal eine weitere unerwünschte e-mail zu erhalten, hat sich dazu entweder zu wenig Gedanken gemacht oder möchte verharmlosen.

Daten, wer sich wo aufhält, wer wen trifft, können in den falschen Händen viel Schaden anrichten. Das sind mit Minimalaufwand gesammelte Stasi-Informationen. Verwendungsmöglichkeiten kann man sich ausmalen.