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Die Griechen unter Druck

Mittwoch, 30. März 2011
Die Griechen unter Druck

Alles ist schnelllebiger geworden: Anfang 2010 sprach alle Welt – zumindest die europäische – von der Wirtschafts- und Finanzkrise im EU-Mitgliedsstaat Griechenland. Das schlimmste konnte durch einen Rettungsschirm der anderen Euro Staaten und des IWF verhindert werden, doch Hausaufgaben blieben zu machen.

Jetzt – zu Zeiten, in denen Japan und Libyen ganz oben auf der Tagesordnung stehen, denkt kaum jemand an diese „griechischen Hausaugaben“ – außer den Griechen selbst. Und diese Hausaufgaben müssen auch im Gesundheitswesen gemacht werden, schließlich ist das ineffiziente Gesundheitssystem ein Mitauslöser für die Schulden Griechenlands.

Unter welchem immensen Zeitdruck Griechenland steht, zeigte sich während eines Krankenhaus-Workshops, an dem deutsche und griechische Vertreter beider Ge­sund­heits­mi­nis­terien und Vertreter von gesetzlichen Krankenkassen beider Länder teilnahmen.

Dieser Workshop bildete im Übrigen den Auftakt einer „vertieften Zusammenarbeit beider Länder im Gesundheitswesen“, auf die sich das deutsche und das griechische Ge­sund­heits­mi­nis­terium im Februar dieses Jahres offiziell geeinigt haben.

In einer Erklärung, unterschrieben vom deutschen Staatssekretär im BMG, Stefan Kapferer, und dessen griechischem Amtskollegen Michalis Timosidis, einigten sich die beiden Ländern darauf, sich bis vorerst 2013 über die „Organisation und Finanzierung der stationären Versorgung, die Arzneimittelpreisgestaltung, Prävention und Gesund­heits­förder­ung sowie über die Gestaltung eines effizienten Rettungsdienstes“ auszutauschen.

Nikolaos Polyzos, Generalsekretär im Ministerium für Gesundheit und Soziale Solidarität in Griechenland, verkörperte förmlich diesen Druck. Bis Ende 2011 müssten 45 Ziele innerhalb des Gesundheitsbereichs erledigt sein, zählte Polyzos auf – allen voran stünde die finanzielle Stabilität.

Derzeit liegen die Ausgaben Griechenlands gemessen am BIP bei weit über 9 Prozent, eine hohe Eigenbeteiligung der Patienten ist eines der Hauptmerkmale des maroden Systems.  Ein veraltetes Krankenhausmanagement, kaum Anreize für Leistungserbringer zur Kostenersparnis und eine unzureichende Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung führen zu hohen Kosten im stationären Bereich – Kosten, die Polyzos und seine Kollegen so schnell wie möglich abbauen wollen.

Nur wie? Ein Ausweg, so hoffen die Griechen, könnte die Einführung des deutschen DRG-Systems sein – „knowledge transfer“  sei gefragt  unterstrich der griechische Generalsekretär während des Krankenhausworkshops.

Wozu Deutschland jahrelang Zeit hatte, nämlich die schrittweise Einführung von Fallpauschalen im Krankenhaus im Sinne eines „lernenden Systems“, müsse Griechenland in rund einem Jahr schaffen.  Es war nicht erstaunlich, dass Tomislav Gmajnic, Ressortleiter des Bereiches Finanz- und Konzerncontrolling der Vivantes Gmbh, ein wenig ungläubig in Polyzos Richtung blickte.

Der Grieche jedoch gab sich pragmatisch – man habe eben keine Alternativen.