aerzteblatt.de

FDP: Rösler wird hoch gehandelt

Dienstag, 29. März 2011
FDP: Rösler wird hoch gehandelt

Bundesgesundheitsminster Philipp Rösler (FDP) ist wieder mal gut für eine parteipolitische Spekulation. Diesmal könnte was dran sein. Denn nach ihrem Wahldesaster kommt die  FDP nicht umhin, neue Köpfe zu präsentieren, sobald die frischen Wunden der Verlierer notversorgt sind. Mit seinen 38 Jahren zählt Dr. med. Philipp Rösler immer noch zum Nachwuchs, der jetzt eine Chance bekommen könnte. Würde er zum Beispiel den unglückseligen Brüderle als Wirtschaftsminister beerben, wäre das ein Karrieresprung. Denn nach der ungeschriebenen Rangordnung rangiert das Wirtschaftsministerium seit Ludwig Erhards Zeiten weit über dem Gesundheitsressort.

Für Rösler spricht neben seiner "Jugend" zweierlei: Er präsentiert sich nicht selbst, sondern wartet geduldig ab, bis er vorgeschlagen wird. Bei solcher Art der Präsentation können auch die alten Kämpen, die abtreten müssen, ihr Gesicht wahren.

Zum zweiten und vor allem: Rösler hat als Gesundheitsminster fast alles richtig gemacht, jedenfalls aus Sicht der konservativ-liberalen Koalition (nicht unbedingt der Betroffenen). Zwei der großen Reformwerke – die GKV-Finanzierung und die Neuordnung des Arzneimittelmarktes – sind über die Bühne, relativ zügig und ohne dass sich der marktliberale Rösler allzusehr verbiegen musste.

Das dritte Reformvorhaben, die Sicherstellung der Versorgung betreffend, kommt fast geräuschlos voran. In der "Klientel-Politik" agiert Rösler überaus geschickt. Mal wird genommen, mal wird gegeben. Mal weiß man gar nicht, wem genommen oder gegeben wird.

Mit Daniel Bahr, dem bisherigen parlamentarischen Staatssekretär beim BMG, stünde ein passender FDP-Nachfolger bereit. Auch er ist "Nachwuchs", Bahr ist 34. Doch in der Politik ist allerlei möglich. Man denke an Dirk Niebel (FDP), der das Entwicklungshilfeministerum abschaffen wollte, dann selbst Entwicklungshilfeminister wurde und sein Ressort nun ganz prima findet.