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Sex und Sport als Herzinfarkt-Trigger

Mittwoch, 23. März 2011
Sex und Sport als Herzinfarkt-Trigger

In Maßen, aber regelmäßig, so lautet die Devise für Koronarpatienten. Vor allem aber sollte er oder sie ungewohnte Anstrengungen meiden. Denn episodische körperliche Überforderungen sind ein wichtiger Trigger für Herzinfarkte.

Das trifft auf alle Formen körperlichen Aktivität zu, einschließlich der sexuellen. Letztere ist laut einer jüngst im Lancet (2011; 377: 732-740) publizierten Risikoanalyse immerhin der Auslöser für 2,2 Prozent aller Herzinfarkte.

Und auch Issa Dahabreh vom Tufts Medical Center in Boston kommt in einer Meta-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 1225-1233) jetzt zu dem Ergebnis, dass sexuelle Aktivität mit einem um den Faktor 2,7 erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert ist. Dies trifft auch auf andere Formen einer episodischen, spricht unregelmäßigen sportlichen Aktivität zu. Sie steigert  das Herzinfarktrisiko um den Faktor 3,5. Das Risiko eines plötzlichen Herztodes ist sogar um den Faktor 4,98 erhöht. 

Dies alles spricht natürlich nicht dagegen, dass Koronarpatienten Sex haben oder sich anderen körperlichen Tätigkeiten widmen. Die Meta-Analyse zeigt, dass das Risiko eines belastungsinduzierten koronaren Ereignisses abnimmt, wenn die Personen im Allgemeinen körperlich aktiv sind.

Was sie deshalb unbedingt sein sollten, wie die British Heart Foundation anmerkt. Sex belaste das Herz nicht mehr als einige Etagen Treppensteigen, schreiben die Kardiologen. Im Wissen, dass ersteres für viele Menschen attraktiver ist als letzteres, hatte der Fachverband vor einiger Zeit Koronarpatienten auch zu vermehrter sexueller Aktivität ermuntert.

Wer hier ein erweitertes “Sportprogramm” plant, sollte sich nach den Ergebnissen einer Studie im Journal of Sex & Marital Therapy (2011; 37: 104-15) jedoch der Bereitschaft seines Partnerin vergewissern. Die Umfrage unter 8.500 Australiern ergab nämlich, dass bei einem Drittel der Frauen der Grund für ihre sexuelle Unzufriedenheit in dem Wunsch des Partners nach einer erhöhten Frequenz sexueller Aktivität lag.