aerzteblatt.de

Wenn der Roboter zur Prostatektomie einlädt

Montag, 14. März 2011
Wenn der Roboter zur Prostatektomie einlädt

Investitionen wollen amortisiert werden. Es ist deshalb nachvollziehbar, wenn eine Klinik nach der Anschaffung eines Operationsroboters versucht, die Zahl der Operationen zu steigern. Und es wundert nicht, wenn David Penson von der Vanderbilt Universität in Nashville nachweisen kann, dass die Zahl der radikalen Prostatektomien an einer US-Klinik um 29 Prozent ansteigt, wenn diese einen Roboter eingeführt hat.

Man könnte nun vermuten, dass die Kliniken den Roboter als Werbeträger einsetzen und erfolgreich Patienten anziehen, die anderen Kliniken fehlen. Das wäre ein gesunder Wettbewerb, wenn er nicht aus dem Geldbeutel der selbstzahlenden Patienten ausgetragen würde. Denn die Operation mit dem Roboter erhöht die Operationskosten um bis zu 2.000 US-Dollar. Dass es keine Studien gibt, die die Überlegenheit der robotergestützten Operation belegt, dürften die Urologen ihren Patienten verschweigen. 

Darüber hinaus kann Penson in Medical Care (2011; doi: 10.1097/MLR.0b013e318202adb9) auch nachweisen, dass die Zahl der Operationen nicht nur in den Kliniken mit Roboter, sondern im gesamten Bezirk steigt ist. Es kam also nicht nur zu einer Umverteilung durch Abwerbung. Es wurde insgesamt häufiger prostatektomiert, während insgesamt in den USA die Zahl dieser Operation tendenziell zurückgeht.

Beim Prostatakarzinom ist die Operation nicht die einzige Behandlungsmöglichkeit. Alternativ kann eine Radiotherapie durchgeführt werden. Bei älteren Patienten stellt sich immer die Frage, ob wegen des langsamen Wachstums des Tumors eine Therapie überhaupt sinnvoll ist. Was dem Patienten angeboten wird, darf nicht von der Ausrüstung der Klinik abhängig gemacht werden.