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Mangelware Zeit für Patienten

Mittwoch, 2. März 2011
Mangelware Zeit für Patienten

Während des Studiums hatte man nicht nur sehr viel mehr Freizeit. Auch zum Arbeiten stand mehr Zeit zur Verfügung. Eine Anamnese dauerte im Studium meist so lange wie man benötigte.

Während meines Allgemeinmedizinpraktikums erlaubte sich mein Betreuer den Scherz, mir für die erforderliche Anamnesedokumentation seinen geschwätzigsten Patienten zuzuweisen. Als ich nach zwei Stunden mehr gehört hatte, als ich auf dem Vordruck je hätte notieren können, konfrontierte mich mein Hausarzt mit seiner Realität: „Wie lange haben Sie jetzt dafür benötigt?“… „Dafür dürfen sie – sagen wir der Einfachheit halber – rund zehn Euro berechnen. So werden sie verhungern.“

Glücklicherweise gab er mir noch ein paar Tipps, um redselige Patienten beim Thema zu halten. Was die Notwendigkeit der Schnellabfertigung betrifft, sollte er zumindest auf meine erste Stelle bezogen recht behalten. In den ersten Wochen auf der ambulanten Sprechstunde lernte ich eine andere Gangart kennen. Schnell gewöhnte ich mir zusäzliche Untersuchungen ab.

Hat der Patient ein zusätzliches Anliegen, bleibt mir im ungünstigsten Fall nur die Möglichkeit, ihm einen neuen Termin zu geben. Kommt der Patient zu spät oder warte ich auf den Oberarzt, ist das mein Problem. Warten Patient oder Oberarzt auf mich, gibt es Druck. Und nicht das Abrechnen vergessen. Und immer via Sucher erreichbar sein. 

Ist nun auch in der Realität seines Hausarztes angekommen,

Euer Anton Pulmonalis