aerzteblatt.de

Bildung senkt den Blutdruck

Montag, 28. Februar 2011
Bildung senkt den Blutdruck

Während sich die PISA-Debatte in Deutschland vor allem um die verminderten Berufschancen von Schulabbrechern dreht, warnen Epidemiologen seit längerem vor den gesundheitlichen Folgen des Bildungsmangels. Beobachtungsstudien zeigen immer wieder, dass Menschen mit einem niedrigen Bildungsabschluss im späteren Leben häufiger und früher Herz-Kreislauf-Erkrankungen erleiden.

Eine neue Analyse der Framingham Offspring Study zeigt dies jetzt auch für den Blutdruck: Frauen mit einer akademischen Bildung (17 Jahre oder mehr an Schule und Uni) hatten in dieser Gruppe überwiegend weißer US-amerikanischer europäischer Herkunft einen um 3,26 mm Hg niedrigeren systolischen Blutdruck als Frauen, die frühzeitig die High-School verließen. Bei den Frauen, die es bis zum College geschafft hatten, betrug der Vorteil noch 2 mm. Bei Männern betrug der Unterschied zwischen Akademikern und Schulabbrechern 2,26 mm Hg.

Dieser Unterschied war auch dann noch vorhanden, als die Gruppe um Eric Loucks von der Brown University in Providence/Rhode Island in ihren Berechnungen andere kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigte, die mit einem geringen Bildungsniveau assoziiert sind, nämlich Rauchen, Alkohol, Übergewicht und die (seltenere) Einnahme von Antihypertonika: Akademische Frauen hatten noch immer einen um 2,86 mm Hg niedrigeren systolischen Blutdruck als Abbrecherinnen.

Bei Männern waren es noch 1,25 mmHg. Im nächsten Schritt führte Loucks eine Indexierung der Blutdruckwerte zu Beginn der 30-jährigen Beobachtungsstudie durch. Damit wurden für alle Teilnehmer gleiche Bedingungen geschaffen. Dies hatte zur Folge, dass nur noch für Frauen ein Unterschied von 2,53 mm Hg bestand, während er bei Männern auf nicht signifikante 0,34 mm Hg geschmolzen war.

Da die bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren bei diesen Zahlen berücksichtigt wurden, bleibt in erster Linie der psychologische Faktor „Stress“ als Erklärung. Das Missverhältnis zwischen hohen Anforderungen und geringen Möglichkeiten einer selbstbestimmten Tätigkeit, sprich der häufige „Druck von oben“, ist in der Whitehall-Studie als ein wesentlicher Morbiditätsfaktor ermittelt worden.

Diese Studie wurde allerdings nur an Angestellten (des öffentlichen Dienstes) durchgeführt. Bei Frauen könnte hinzukommen, dass das Armutsrisiko deutlich höher ist: Ungebildete Frauen leiden häufiger unter Depression, das Risiko als Alleinerziehende in die Armut abzugleiten, ist ungleich höher als bei Männern. Das alles zeigt, dass der Horizont der PISA-Studie erweitert werden müsste.