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Hund erschnüffelt Prostatakarzinom

Mittwoch, 2. Februar 2011
Hund erschnüffelt Prostatakarzinom

Französische Urologen sind bei der Suche nach einer Krebsvorsorge buchstäblich auf den Hund gekommen, genauer auf einen Belgischen Schäferhund. Er war ursprünglich von der französischen Armee zum Aufspüren von Sprengstoff ausgebildet worden. Doch das Team um den Urologen Olivier Cussenot vom Pariser Tenon-Krankenhaus verschaffte dem Tier eine Zusatzqualifikation, die weltweit einzigartig ist.

In einem zweijährigen Training lernte der Hund, ein Prostatakrebs am Geruch des Patientenurins zu erkennen. Aus der in European Urology (2011; doi: 10.1016/j.eururo.2010.10.006) publizierten Studie geht hervor, dass der Hund bei 30 von 33 Urinproben mit der Diagnose richtig lag. In der Gegenprobe schlug er bei 3 von 30 Patienten ohne Karzinom an. Die drei Personen wurden daraufhin biopsiert und bei einem wurde tatsächlich ein Prostatakarzinom gefunden.

Cussenot vermutet, dass der Hund flüchtige organische Verbindungen (VOC) erschnüffelt, die von den Krebszellen an den Urin abgegeben werden. Eine derartige Substanz, das Sarcosin, wurde kürzlich in einer Metabolom-Analyse mit dem Prostatakrebs in Verbindung gebracht (Nature 2009; 457: 910-914). Sarcosin ist ein Zwischenprodukt von Cholin nach Glycin. Sein süßlicher Geruch könnte dem Hund aufgefallen sein.

Auch wenn der Hund für die Prüfung der Urinproben jeweils nur 30 Sekunden benötigte, dürfte die Zukunft wohl eher dem laborchemischen Nachweis von Sarcosin oder anderer VOC gehören.

Es hat in den vergangenen Jahren jedoch eine Reihe von Studien gegeben, in denen Hunde in der Krebsdiagnose reüssierten. Angefangen hatte es mit einem Leserbrief im Lancet (1989; 1: 734): Ein Hund hatte seinen Besitzer auf ein Melanom aufmerksam gemacht. In einer “proof of principle”-Studie erkannten sechs Hunde Blasenkrebs zu 41 Prozent (BMJ 2004; 329: 712-4).

US-Gynäkologen setzten Hunde (ebenfalls mit bescheidenem Erfolg) zur Diagnose des Mammakarzinoms ein (J Altern Complement Med 2008; 14: 61-7), japanischer Mediziner versuchten es im letzten Jahr auch beim Lungenkrebs (PLoS One 2010; 5: e8819), und in einer dieser Tage in Gut (2011; doi: 10.1136/gut.2010.218305) publizierten Studie war ein Labrador-Retriever auch in der Stuhldiagnose des Kolorektalkarzinom erfolgreich.