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Masern: Das Virus aus der Nachbarschaft

Montag, 3. Januar 2011
Masern: Das Virus aus der Nachbarschaft

Der mutige Verzicht auf eine MMR-Impfung kann sich später rächen. Seit es keine regelmäßigen Masern-Epidemien mehr gibt, sind die Chancen, sich natürlicherweise zu immunisieren, gering. Und für den Besuch einer Masern-Party müsste man schon lange Wege zurücklegen, was deshalb wohl selten geschehen dürfte.

So kann es passieren, dass man als Dolmetscher oder als Polizeibeamter eher unerwartet mit dem Virus konfrontiert wird, wie dies im Juni 2010 in München geschah. Die beiden Erkrankten waren auf einem Wohngelände von Roma aus Bulgarien im Einsatz. Was sie nicht ahnten. In Bulgarien sind im April 2009 die Masern ausgebrochen mit bisher 24.000 Fällen und 24 Todesfällen. Neben Dolmetscher und Polizeibeamtem erkrankten noch 21 weitere Erwachsene.

Bei insgesamt 48 Erkrankungen in der glücklicherweise noch rechtzeitig im Keim erstickten Epidemie deutet dies eindrucksvoll auf bestehende Immunitätslücken hin. Die können schlimme Folgen haben: Eine 33-jährige Frau musste mit einer Masernenzephalitis stationär in einer Münchner Klinik behandelt werden. Sie wohnte in einem angrenzenden Landkreis.

Wie sie mit den Erkrankten in Berührung kam, ist unklar. Vielleicht hatte sie nur im gleichen Supermarkt eingekauft. Die Erkrankung dürfte für sie mehr als nur ein Ärgernis gewesen sein. Vielleicht wird sie ihre Eltern gefragt haben, warum sie eigentlich als Kind nicht geimpft wurde.