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Hausärzte: Vom Regen in die Traufe

Freitag, 3. Dezember 2010
Hausärzte: Vom Regen in die Traufe

Die bayerischen Krankenkassen erregen sich gerade über den Brief eines Hausarztes, der seinen Frust abgelassen und wie sein Verband für den Ausstieg aus dem Kassenarzt-System plädiert hatte. Die Aufregung kommt ziemlich spät.

Denn der Bayerische Hausärzteverband und sein Chef Hoppenthaller trommeln schon seit langem für den von ihnen so bezeichneten "Systemumstieg". Sprich: Ausstieg aus der KV und Umstieg auf den Hausärztverband, der hinkünftig exklusiv die Verträge schließen soll. Die würden natürlich mehr Geld bringen als die Verträge, die die KV bisher schließt – locken (nicht nur in Bayern) all`die Hoppenthallers.

Es spricht einiges dafür, dass die Hausärzte in die Sackgasse gelockt werden und vom Regen (der ungeliebten KV) in die Traufe (des vergleichsweise unsicheren Hausarztverbandes) geraten. Man lese auf der Website des Verbandes (www.bhaev.de/) mal die FAQs durch, streiche die verbandlichen Hoffnungen und Verheißungen in Gedanken weg und bleibe beim Kern.

Dann erkennt man die Haken, an denen sich ein "Systemumsteiger" aufhängen kann. Auch ein Seitenblick auf die Zahnärzte empfhielt sich, deren Bewegung für einen Ausstieg einst implodierte, nicht ohne zuvor erheblichen Flurschaden innerhalb des Berufsstandes angerichtet zu haben.

Wenn bis 26. 1. das "Quorum" von 60% und mehr für die Zulassungsniederlegung nicht zustande kommt, werden sich Hoppenthaller und sein Verband denoch trösten. Sie haben doch das Gute gewollt (wetten, dass ein solches Argument kommt) und außerdem soeben bei der KV-Wahl in Bayern 21 der 50 Delegiertensitze errungen.

Bei der Vorstandswahl am 22. Januar (vier Tage vor dem "Quorum") erwarten sie, einen Sitz im KV-Vorstand zu bekommen. Ein bisschen schizophren?  Hoppenthaller nennt das Wahlergebnis ein "Votum für den Systemumstieg".

rcolberg am Dienstag, 14. Dezember 2010, 17:54
Systemfrage
Meiner Meinung nach hat sich der bayerische Hausarztverband ziemlich verrannt. Sicherlich ist er einer der mächtigsten deutschen Ärzteverbände, aber er hat jetzt eine Allianz aus Krankenkassen und Gesetzgeber als Gegner. Und die haben viele Trümpfe in der Hand:

- sollte das 60%-Quorum wirklich zustande kommen, sind die ausgeschiedenen Hausärzte auf jeden Fall auf eine Änderung des § 72a SGB angewiesen, der den Kassen bekanntlich jede Art eines Vertrages mit ihnen verbietet. Wenn dieses Gesetz aber geändert werden muss, könnte man den Ärzten auch gleich über eine Amnestieregelung die Rückkehr ins KV-System anbieten, und sie dann finanziell aufs Trockene und damit unter Druck zu setzen. Alternativ könnten die Kassen ihnen auch eine angestellte Mitarbeit in Klinikambulanzen oder MVZ's anbieten....

- Streik? Hat der BHAEV derart gut gefüllte Streikkassen, dass er tausende Arztpraxen auch nur eine Woche lang über Wasser halten kann? Auch hier reicht doch eine kleine Gesetzesänderung, um den Ärzten den Geldhahn zuzudrehen.

- Vor allem aber ignoriert der BHAEV, dass die erhofften Verträge nach BGB (!) ein Dammbruch wären, der nicht nur das KV-System, sondern letztlich das ganze Sozialgesetzbuch V und damit unser solidarisches Gesundheitssystem wegspülen könnte. Und dann hätten wir hier wirklich US-amerikanische Verhältnisse!

@schweizerknecht: die BÄK als Berufsverband wird Ihnen übrigens erhalten bleiben, da sind Sie auch als reiner Privatarzt Zwangsmitglied....
schweizerknecht am Dienstag, 7. Dezember 2010, 22:14
Angstschweiss
Ich wusste ja schon dass die Pseudoblogs des ÄB inhaltlich äusserst leichtgewichtig sind. Dieser Beitrag toppt allerdings den Rest in Sachen inhaltlicher Hohlheit, ein Blog in Gasform sozusagen. Oder steht BÄK und KVB der gleiche Angstschweiss auf der Stirn, der auch von den Brauen der Kassendirektoren tropft? Vermutlich, denn eins ist klar, gelingt der Ausstieg in Bayern, wird er bundesweit folgen und dann gehts auch der Pflichmitgliedschaft im Seniorenzirkel BÄK an den Kragen. Fangt schon mal an zu packen, diese leichtfüssigen Instantblogs gleich zuerst ...