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Lazarus-Effekt der HIV-Therapie

Mittwoch, 1. Dezember 2010
Lazarus-Effekt der HIV-Therapie

In Afrika geht die Bedeutung der antiretrovirale Therapie weit über den unmittelbaren medizinischen Nutzen hinaus. Die Genesung der Patienten verleiht der gesamten Familie neuen Lebensmut, wahrscheinlich leistet sie einen nicht unterschätzenden Beitrag für die Gesellschaft. Die Weltbank spricht von einem Lazarus-Effekt.

Er äußerte sich in einer Studie in Public Economics (2009: 93; 1008-1015) darin, dass der Schulbesuch der Kinder um 20 Prozent anstieg, nachdem ein HIV-infizierter Elternteil mit einer antiretroviralen Therapie begonnen hatte.

Auch der Ernährungszustand der Kinder besserte sich, vermutlich weil die Eltern wieder ihre Rolle als Ernährer aufnehmen konnten. Die hohen Investitionen in die Therapie könnten sich also durch die wirtschaftliche Erholung der Familie „amortisieren“.

Auf der anderen Seite könnten finanzielle Anreize die Ausbreitung der Epidemie eindämmen. In Malawi sicherte ein kleines Taschengeld die Unabhängigkeit von Schulmädchen, die sich daraufhin seltener auf sexuelle Kontakte einließen.

Der Publikation in Health Economics (2010;19: Suppl: 55-68) zufolge konnte die HIV-Prävalenz innerhalb von 18 Monaten von 3,0 Prozent in einer Kontrollgruppe auf 1,2 Prozent gesenkt werden.

Auch die Rate der ebenfalls sexuell übertragenen Herpesinfektionen (HSV-2) sank von 3 auf 0,7 Prozent. Dies zeigt sehr anschaulich, dass die Armut eine der wesentlichen Triebfedern der HIV-Epidemien in Afrika ist.