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Alzheimer: Spaziergänge gegen den geistigen Verfall?

Montag, 29. November 2010
Alzheimer: Spaziergänge gegen den geistigen Verfall?

Die Alzheimer-Demenz ist eine hirnorganische Erkrankung, der die Betroffenen nicht entgehen können, weder durch Hirnjogging, noch durch sportliche Betätigungen – auch wenn Beobachtungsstudien immer wieder zu diesem Ergebnis kommen. So eine jetzt auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago veröffentlichte Analyse der Cardiovascular Health Study, derzufolge regelmäßige Spaziergänge das Fortschreiten der Erkrankung bremsen sollen.

Dies erinnert an eine Reihe von Publikationen, die in den letzten Jahren zu dem Ergebnis kamen, dass geistig rege Menschen im Alter selten an einem Morbus Alzheimer erkranken. Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine reverse Kausalität: Die gesunden Studienteilnehmer waren vermutlich deshalb stärker an geistigen Aktivitäten interessiert, weil sie nicht an einem Minimal cognitive impairment erkrankt waren, die der Demenz um viele Jahre vorausgeht und in der Regel nicht erkannt wird.

Für eine präventive Wirkung von geistiger Aktivität gibt es keine plausible biologische Erklärung. Die Alzheimerdemenz ist Folge einer degenerativen Erkrankung der Nervenzellen. Amyloidablagerungen lassen sich nicht durch geistige Arbeit entfernen.

Dies trifft auch auf das körperliche Training zu, das in der aktuellen Studie mit einem verminderten Rückgang im MMSE-Test assoziiert war. Durch Sport werden die Plaques eines Morbus Alzheimer sicher nicht abgebaut. Allenfalls ist eine präventive Wirkung gegen eine vaskuläre Demenz vorstellbar, da diese Folge einer Atherosklerose der Hirngefäße ist.

Vaskuläre Demenz und Morbus Alzheimer werden häufig nicht voneinander abgegrenzt, da die Alzheimerdiagnose erst postmortal anhand des morphologischen Substrat gestellt werden kann, was aber selten erfolgt.