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Das Lächeln der Frührentner

Donnerstag, 25. November 2010
Das Lächeln der Frührentner

Die französischen Gewerkschaften haben Recht. Wer früh in Rente geht, lebt gesünder - oder wenigstens fühlt er sich gesünder. Den Angestellten des französischen Gas- und Elektrokonzerns GAZEL gelang der Schritt in ein gesundes Alter zu zwei Dritteln bereits im Alter von 53 bis 57 Jahren.

Danach gaben die meisten an, sich mental und körperlich weniger angespannt zu fühlen. Depressionen besserten sich. Die Aussicht auf einen Lebensabschnitt dürfte Mitte 50 in der Tat leichter vorstellbar sein als zehn Jahre später.

Doch letztlich war es „nur“ das Gefühl, denn auf die Inzidenz chronischer Erkrankungen hatte die Verrentung keinen Einfluss. Haben Sarkozy und die Regierungschefs anderer Länder also doch Recht, dass den Arbeitern und Angestellten eine längere Lebensarbeitszeit durchaus zuzumuten sei?

Vielleicht liegt es ja an den Bedingungen am Arbeitsplatz. Wenn mehr Menschen sich die Arbeit teilen und ältere Arbeitgeber durch ihre Erfahrung mehr Gelassenheit verbreiten, könnte sich das nur positiv auf das Betriebsklima auswirken, oder?

HBMRCPsych am Freitag, 26. November 2010, 10:54
Cave: Selektions Effekt (bias)

Zur Studie meines Namensvetters aus Schweden et al, incl. so berühmte wie Herr koll Siegrist !:
Bitte NICHT verallgemeinern...
Lt BMJ Pressemitteilung, abstract & Editorial geht es hier um ein hochselektives (Früh-)Berentungs-Kollektiv als Studien-Kohorte:
89% waren verheiratet, die meisten gehörten zu "middle to higher " Angestelltengruppen (bei den wenigen lower ranks sah es auch schlechter aus).
Also für mich als "Spagat-"Arzt zwischen Institutsambulanz im Bremer Norden, ÖGD-Amtspsychiater im Gesundheitsamt & 24 h Krisendienst (seit 1994 !) 4-6/Monat für ganz Bremen (kenne alle Pol Reviere, Krankenhäuser & soz.Brennpunkte von INNEN !) kann ich aus dieser SELEKTIVEN Studie nur soviel lernen:
Wer zur besseren Schicht gehört, lebt gesünder, vor allem, wenn man schon mit 53-57 Jahren in Rente gehen kann (als Anrecht: statutory...) und dann sein Leben ausserhalb der Tretmühle geniessen...

Dr HugoBiehl MRCPsych
(NB: auch gelernter Epidemiologe: Fallregister phase im ZISG MA/HD)