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Erfolgreiches Altern mit “Methusalem Amisch”

Donnerstag, 4. November 2010
Erfolgreiches Altern mit “Methusalem Amisch”

Glückliche Amische. Während sich in anderen isoliert lebenden Bevölkerungsgruppen die genetischen Krankheiten häufen – man denke nur an die von Speicherkrankheiten und Mukoviszidose betroffenen Ashkenasi-Juden – hat sich bei den Nachfahren der Täuferbewegung ein Methusalem-Gen ausgebreitet, das mit einem erfolgreichen Altern assoziiert ist.

Erfolgreiches Altern wird definiert als gute Gehfähigkeit, Selbständigkeit im Alltag sowie das Fehlen von Depressionen und Unzufriedenheit. Diese Eigenschaften finde man bei einem signifikanten Anteil der über 80-jährigen Amische, teilt William Scott von der Miami Miller School of Medicine auf der Jahrestagung der American Society of Human Genetics in Washington mit.

Die Methusalems verdanken dies allerdings nicht etwa der Kraft ihres Glaubens oder ihrer (aus europäischer Sicht) asketischen Lebensweise, sondern den Genen: Die erfolgreichen Alten der Amische gehörten zu 15 Prozent zur genetische Haplogruppe X. Sie waren damit Träger eines Turbo-Gens, das die Leistung der Mitochondrien verbessert.

Bei den Europäern findet man dieses Gen nur bei 2 Prozent (aber auch die weniger erfolgreich gealterten Amische hatten ihn nur zu 3 Prozent). Die für das Altern ungünstige "Haplogruppe J", die bei 10-25 Prozent der Südeuropäer vorliegen soll (obwohl doch dort die Lebenserwartung höher ist als im Norden), wurde bei den erfolgreich gealterten Amischen nur 5 Prozent nachgewiesen.

Für alle Menschen mit humangenetischem Halbwissen, zu denen sich auch der Autor zählt, stellt sich nun die Frage, wie es zu einer derartig schnellen Selektion (innerhalb weniger Generationen seit der Reformationszeit) dieser Gene bei den Amischen gekommen ist. Nein. Sollte doch die Lebensweise der Amische eine Rolle spielen? Ich denke, heute bleibt der Fernseher aus und morgen fahre ich – mangels Pferd und Wagen – mit dem Drahtesel ins Büro.