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Apobank, bitte bitte bleib bei Deinen Leisten

Sonntag, 31. Oktober 2010
Apobank, bitte bitte bleib bei Deinen Leisten

Mag sein, dass für die dubiosen Geschäfte der Apobank mit Leipziger Immobilien wie schon für das Desaster mit US-Schrittpapierender "alte" Vorstand verantwortlich war oder von cleveren Burschen über den Tisch gezogen wurde. Betroffen ist die Bank von heute.

Immerhin wurden ein aktuelles Vorstandsmitglied und zwei Vertriebsleiter „von ihren Aufgaben frei gestellt”, mit der merkwürdigen Begründung, „um ihnen Zeit für die Unterstützung der Aufklärung zu gewähren”. Aufzuklären haben, zusätzlich zur Staatsanwaltschaft Leipzig, auch Vorstand und Aufsichtsrat so einiges.

Etwa, wie eng die Verflechtung der Bank mit dem Leipziger Immobilienentwickler Licon und deren Vertriebstochter Medicon gewesen ist. Medicon scheint gezielt für den Vertrieb an Ärzte gegründet worden zu sein, der Vertrieb scheint weitgehend über die Apobank und in deren Geschäftsräumen gelaufen zu sein.

Wer hat die Provisionen kassiert? Licon soll Medicon unglaubliche 15% gezahlt haben, davon sollen 1,75% an die Medicon-Berater und 6 bis 8,5% (!) an die Apobank geflossen sein (nebenbei: wo blieb der Rest?). Die Apobank hat die Zahlen, die u.a. die Welt nannte, bisher nicht dementiert und spricht von einer „marktüblichen Provision”.

Wenn sie aber doch derart hoch war,  dann handelte es sich um ein ungewöhnlich lukratives Geschäft zulasten der Kunden der Standesbank, zumal die Bank auch noch gut an der (angeratenen?) Kreditfinanzierung der verkauften Immobilien verdient haben dürfte. Schwer vorstellbar, dass von einem solchen Geschäftsmodell der Bankvorstand - der "alte" oder der "neue", das ist die Frage – nichts gewusst hat. Und eigentlich hätte auch der Aufsichtsrat informiert sein müssen.

Die Ausflüge in die schillernde Welt der Finanz- und Immobilienhaie haben der vormals biederen Standesbank und ihrem Ruf schwer geschadet. Was tun? Aufklären statt vertuschen. Vielleicht braucht die Apobank sogar eine neue Unternehmenskultur: weg vom Größenwahn, hin wieder zu den alten Leisten.