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Bedarfsplanung: Wenn Du nicht mehr weiter weißt ...

Dienstag, 26. Oktober 2010
Bedarfsplanung: Wenn Du nicht mehr weiter weißt ...

Eine neue Kommission soll sich also mit dem Ärztemangel beschäftigen. Eine Hand voll Spitzenorganisationen sollen, so der Plan aus Berlin, sich der Bedarfsplanung von hoher Warte aus annehmen. Der Kreis der Beteiligten wurde von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Rösler kaum benannt, da meldeten sich schon weitere, die auch dazu gehören wollen. Die Kommission könnte ein größeres Unternehmen werden.

Klingt nach Aktivität. Verdeckt aber Ratlosigkeit. Getreu dem Motto: Wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis.

Tatsächlich hat sich Bedarfsplanung bisher als schwerfällig und wenig effizient erwiesen. Weder bei "Überversorgung" (die gab´s auch mal) noch bei "Unterversorgung" hat sie eine gleichmäßige Verteilung der (Vertrags-)Ärzte erreichen können. Der Markt für Ärzte regelte sich weitgehend autonom.

Geht´s den Ärzten gut, dann ist ein "Ärztemangel" innerhalb von etwa 10 Jahren (Studium+Weiterbildung) behoben. Geht´s ihnen schlecht oder wird die Lage schlecht geredet, dann bleibt der Nachwuchs aus. Der berühmte volkswirtschafltiche Schweinezyklus, angewandt auf die Ärzteschaft.

Ein Feld für sich ist der strukturelle Mangel, der zur Zeit die Gemüter bewegt. Der muss auch strukturell angegangen werden. Wenn zum Beispiel, wie augenblicklich in Ostdeutschland, die Bevölkerung zurückgeht, dann wird auch die Zahl der Ärzte zurückgehen müssen.

Auf dem flachen Lande helfen da nur Schwester Agnes, die Zweigsprechstunde und eine gute Logistik zum nächsten MVZ oder Krankenhaus. Das regelt sich vor Ort. Bedarfsplanungsrichtlinien von ganz oben verkomplizieren den Prozess (der ja schon läuft). Und den Rest besorgt der Markt. Wetten, dass in ein paar Jahren wieder von "Ärzteschwemme" die Rede ist?!