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Öffentlichkeitsarbeit: Die Ärzte stehen sich selbst im Weg

Dienstag, 12. Oktober 2010
Öffentlichkeitsarbeit: Die Ärzte stehen sich selbst im Weg

Die Kassenärzte haben zurzeit keine gute Presse. Das liegt weniger an den bösen Journalisten wie ein „Ärztlicher Sachverständigenrat” glauben machen will, sondern weit mehr an unglücklichem Timing und an ungeschickter Präsentation. Nehmen wir die ominöse Milliarde, die Kassenärzte im nächsten Jahr mehr bekommen sollen.

Ist doch klar, dass die Ankündigung eines solchen Plus´in einer Zeit, in der über Zusätzbeiträge allein der Versicherten orakelt wird, auf wenig Verständnis stößt. Zumal als „Milliarde”. Klingt dramatisch. Die Krankenkassen haben damit nach der Sitzung des Bewertungausschusses sogleich die öffentliche Meinung besetzt. Die Kassenärzte hingegen hätten von einem undramatischen „Plus von 3 %” berichten können. War leider nicht.

Es kommt noch schlimmer: Die 500 Millionen Euro für den Regionalausgleich, die in jener Milliarde stecken, sollten – so wurde flugs kolportiert – in den Süden fließen (obwohl es den Ärzten dort ohnehin nicht schlecht geht), während der Osten leer ausginge. Eine kombinierte Neid- und Ossi-Wessi-Debatte wurde so losgetreten, ausgerechnet in den Tagen, an denen der 20 Jahre Einheit gedacht wurde.

Die jüngste Wendung, auch nicht besser, lautet: der Osten geht zwar weiterhin leer aus, doch im Westen werden die Kassenärzte in NRW weitaus besser bedacht als die in Bayern. Mag sein, dass solcherlei An- und Vorwürfe zum innerärztlichen Verteilungsgeschäft gehören. Aber muss das über die breite Öffentlichkeit ausgetragen werden? Die ärztliche Selbstverwaltung ist doch, verdammt noch mal, vor allem dazu da, um ihre Angelegenheiten selbst und nicht auf dem Markt zu regeln.

Setzen wir noch zwei Tüpfelchen oben drauf. Stichwort Kostenerstattung. Hat nun die KBV dafür plädiert (und damit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Rösler unterstützt) oder hat sie davor gewarnt (und ist sie somit Rösler in den Rücken gefallen)? Beide Versionen kursieren derzeit. Die Diskrepanz ließe sich gewiss flott aufklären. Besser, sie wäre gar nicht erst aufgetaucht.

Und zum schlechten Schluss:: Jener „Ärztliche Sachverständigenrat” hat im Einklang mit einem regionalen KV-Fürsten, die abgestandene Idee wiederbelebt, die Kassenärzte sollten die Abos von unliebsamen Presserzeugnisssen noch in diesem Monat kündigen. Sowas hat noch nie funktioniert. Ein Schuss nach hinten. Kllngt unangenehm nach Zensur. Besser wäre abgestimmte ärztliche Öffentlichkeitsarbeit. Die Ärzte sollten die Meinungsführerschaft nicht den Kassen überlassen und Partikularinteressen zurückstellen.

adonis am Freitag, 15. Oktober 2010, 09:46
Der Blogeintrag hat was.
Nur habe ich das Gefühl, dass ihn wieder einmal niemand richtig gelesen hat, wie es mit allen guten Dingen so ist.
Das Problem ist auch dass es die Ärzte nicht gibt. Die Standesorganisationen und hier im wesentlichen KV und Bundesärztekammer sind soweit von allem abgehoben und interessieren sich im wesentlichen nur mit ihrem eigenen Kram, dass eine entsprechende Arbeit für ihre Mitglieder gar nicht mehr stattfindet. Die KVen haben sich ausserdem zu reinen Folterinstrumenten für ihre Mitglieder entwickelt. Von Service an Mitgliedern wird nur gesprochen, wenn die Diskussion aufkommt, dass man diese nutzlosen Instanzen abschaffen will.