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Aus GKV wird PKV und umgekehrt

Mittwoch, 15. September 2010
Aus GKV wird PKV und umgekehrt

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Philipp Rösler kündigt in seinem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt ein "intelligentes System der Kostenerstattung" an, einschließlich Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung, und gebraucht beiläufig die Vokabel Systemwechsel. Er meint die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Die würde, denkt man Röslers Ankündigungen weiter, tatsächlich zu einer Art privater Krankenversicherung.

Umgekehrt: Auch die private Krankenversicherung (PKV) nähert sich der GKV, siehe die Absicht, die PKV könne doch die von der GKV ausgehandelten Arzneimittelpreise übernehmen (dazu der blog "Die Trittbrettfahrer"). Nun setzt die Koalition noch eins drauf: Die PKV solle sich, so die Verhandlungsgruppe der Koalition, mit zehn Prozent an den Kosten des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, beides bisher reine GKV-Institutionen, beteiligen.

"Wer profitiert, soll auch zahlen", zitiert die "Süddeutsche" einen Koalitionssprecher. Man kann´s auch anders sehen: Einschleichend wird die PKV der GKV angenähert. Der Kostenbeteiligung an GBA und IQWiG dürfte alsbald die Mitbestimmung folgen. Wäre doch logisch.

Darf man daran erinnern, dass Rösler nach der Regierungsbildung Christian Weber zum Leiter seiner Grundsatzabteilung, die sich u.a. der Gesundheitsreform widmet,  berufen hat? Weber ist eine ausgewiesener Experte der Krankenversicherung, insbesondere der privaten und war zuvor stellvertretender Direktor des PKV-Verbandes.