aerzteblatt.de

Patientenverfügungen: Positive Zwischenbilanz

Montag, 21. Juni 2010
Patientenverfügungen: Positive Zwischenbilanz

Vor genau einem Jahr, am 18. Juni 2009, hatte der Bundestag das sogenannte Patientenverfügungsgesetz beschlossen. Im  September vergangenen Jahres ist es in Kraft getreten. Die Skepsis gegen dieses Gesetz war (und ist) groß. So betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Jörg-Dietrich Hoppe, zu Recht, dass da Sterben nicht normierbar ist.

Krankheitsverläufe sind immer individuell und lassen sich in Gesetzen nicht wirklich abbilden. Der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung stellte gestern auch richtig fest, dass die Anforderungen, die an diese Vorsorgedokumente gestellt würden, viel zu hoch seien und dass gleichzeitig eine individuelle Beratung nicht vorgeschrieben sei.

Dennoch ist letztendlich das Gesetz trotz aller berechtigten Bedenken zu begrüßen. Für die Ärzte jedenfalls, die tagtäglich mit schwierigen Entscheidungen am Lebensende konfrontiert werden, ist es jedenfalls übersichtlicher und praktikabler als die vorherigen Grundsatzurteile.

Das jedenfalls ist die Meinung von Eckhard Korsch, dem Vorsitzenden der Klinischen Ethikkomitees der Stadt Köln. Er beruft sich dabei unter anderem auf Befragungen von Internisten, die ergaben, dass Patientenverfügungen einen entscheidenden Einfluss auf die therapeutische Entscheidung haben.

Wichtig ist dabei allerdings die Passgenauigkeit der Passverfügung und auch eine adäquate Beratung des Patienten durch den Arzt, der ihm die notwendigen Informationen für das Abwägen der Entscheidung geben sollte.

Einige offene Fragen, wie die, ob der Arzt einen Betreuer durch das Betreuungsgericht anregen muss, wenn der Patient keinen Bevollmächtigten oder Betreuer hat, hat das Gesetz bedauerlicherweise nicht ausdrücklich beantwortet. Die Bundes­ärzte­kammer und die Zentrale Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer gehen allerdings davon aus, dass die Patientenverfügung den Arzt direkt bindet, was allerdings heißt, dass der Arzt letztendlich für die Prüfung der Eindeutigkeit selbst verantwortlich ist.