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Wer kontrolliert eigentlich die Apobank?

Dienstag, 20. April 2010
Wer kontrolliert eigentlich die Apobank?

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Apobank wird am 18. Juni einen Verlust von 283 Mio Euro abzusegnen haben, verursacht durch Spekulationen.  Noch letztes Jahr hatte sie den damaligen Vorstandssprecher Günter Preuß, der die Zockerei zu verantworten hat, mit einer Standing Ovation in den Ruhestand verabschiedet. Die Vertreter hatten offenbar keine Ahnung was los war. Der Aufsichtsrat, der angeblich von Preuß lange im Unklaren über die Schieflage gelassen wurde, scheint erst spät aktiv geworden zu sein; immerhin, er wurde es, jedenfalls deutet Preuß´ Pensionierung mit 64 und die Bestellung eines Aufräumers, Herbert Pfennig, darauf hin.

Hätten die Aufseher nicht schon 2006 oder 2007 Bescheid wissen müssen? 2006 hatte sich die Apobank von der Sachsen LB  nämlich eine sogenannte Zweckgesellschaft in Dublin andrehen lassen, zum Erstaunen der Branche. 2007 weigerte sich die WestLB, Fonds dieser Dubliner Tochter zu refinanzieren. 2008 hiess es, die Bank habe für 3,2 Milliarden Euro giftige Wertpapiere in den Büchern, während das haftende Eigenkapital nur 2,5 Milliarden Euro betrug. Wurde niemand stutzig? (Inzwischen, nach Preuß´ bejubeltem Abschied und vielerlei anschließender Hiobsbotschaften, räumt die Apobank sogar 5,5 Milliarden riskanter Papiere ein.)

Wer kontrolliert eigentlich die Apobank? Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung setzt sich aus Standespolitikern der Heilberufe zusammen. Ähnlich der Aufsichtsrat: Neben 10 Arbeitnehmervertretern sind das 10 Standespolitiker, nämlich 4 Ärzte, 3 Zahnärzte und 3 Apotheker (die derzeit den Vorsitzenden stellen). Ob sie wirklich alle die komplizierten Geschäfte durchschauten, in die sich ihre Bank eingelassen hatte? Die Prüfvermerke unter den Finanz- und Geschäftsberichten haben ihnen schwerlich helfen können.

Sie sind für Laien nichtsagend, ganz abgesehen davon, dass sich Zweckgesellschaften der Kontrolle entziehen konnten (und deshalb bei Bankvorständen so beliebt waren). Kurzum: Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung sollte am 18. Juni Wege suchen, wie sie und der von ihr gewählte Aufsichtsrat künftig verständlich, zeitnah und korrekt zu informieren sind, statt sich als Marketingsinstrument der Apobank vorführen zu lassen. Preuß war übrigens, bevor er Sprecher wurde, im Vorstand für die Kontakte zu den Heilberufen zuständig. 

promisit am Montag, 26. April 2010, 08:58
Saubere Regelungen
Solange die Manager hochriskante Spekualtionen mit Gewinnen bilanzieren konnten, waren alle zufrieden. Bei Verlusten haben die Verantwortlichen die Bonus kassiert und verschwinden. Saubere Lösungen wird es nur geben, wenn die Manager und Vorstände alle (ohne Ausnahme !) persönlich haften. Dabei sollten Vermögen die letzten 10 Jahre berücksichtigt werden, wie dies auch beim kleinen Mann geschieht, wenn er Stütze vom Staat braucht. Alle Spekulationen wären schlagartig beendet. Aber das will niemand in Wirtschaft, Politik und Finanzen.
#dottore# am Sonntag, 25. April 2010, 18:32
APO Bank
pp.
Wenn einer versucht, aus einem Bahnhofskiosk eine Edelkaschemme zu machen muß er sich nicht wundern,dass man ihm die ordinären Fischbrötchen nicht als Edellachs-Happen abkauft.

Eine Fischbude bleibt Fischbude.In der es stinkt : nach ordinärem Fisch.
Thelber am Sonntag, 25. April 2010, 11:36
Schuster bleib bei Deinem Leisten ....
... hieß es früher.

Ärzte sollten lieber vernünftige Medizin machen, die Bankerei den Bankern überlassen. Schließlich haben wir ein MEDIZIN-Studium absolviert, was uns nicht unbedingt dafür prädestiniert auch andere Dinge (wie Geldanlagen) zu beherrschen.
stueting am Dienstag, 20. April 2010, 22:19
Apobank in schwerer Krise-wann gibt es eine gerichtliche Klärung
Die Verantwortlichen unserer Standesbank der Deutschen Apotheker und Ärztebank lassen für die Begleichung des von ihnen angerichteten Schadens nur die Teilhaber bluten. Dividendenzahlungen werden eingestellt und die Reserven aufgebraucht für die Bezahlung ihrer Spielschulden. Jens Flintrop beschreibt im Dtsch Arztebl 2009; 106(50) zutreffend -aber beschönigend-die Apobank als Sanierungsfall.
Unmöglich verhält sich in dieser Krise auch der neue Aufsichtsrat. Er lässt kritische Fragen an ihn durch den Vorstand beantworten. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass diese Bank durch " Zockergeschäfte" in solche Schieflage gerät, deren früherer Vorstand noch mit hohlen Worten von einem bestenfalls ahnungslosen Aufsichtsrat verabschiedet wurde:

"Der bisherige Aufsichtsratvorsitzende Dr. Wilhelm Osing: "Im Namen des Aufsichtsrates und des Vorstands danke ich Günter Preuß für 14 Jahre vorbildliches Engagement für unsere Bank, welches auch geprägt war durch eine besondere partnerschaftliche Verbundenheit mit den Standesorganisationen und den Akteuren im Gesundheitswesen. Er hat die apoBank in dieser Zeit kräftig ausgebaut, ihre Marktanteile und auch die Rentabilität erhöht. Von ihm gingen die wesentlichen Impulse aus, unser Institut zu einer Bank im Gesundheitswesen mit einem unverwechselbaren Profil zu entwickeln und unsere Positionierung in konkretes Geschäft umzusetzen. Dabei behielt er unseren konservativen Anspruch an Solidität und Verlässlichkeit stets fest im Blick."
Es spricht alles dafür, dass der frühere Vorstand und Aufsichtsrat der Apobank grobe Pflichtverletzungen begangen haben, die einer gerichtlichen Klärung bedürfen. Im Einzelnen sind das:
Verstoss gegen den Unternehmenszweck
Die Apobank hat 13% der Bilanzsumme ( 5,4 Mrd. Euro) auf dem amerikanischen Verbriefungsmarkt investiert. Damit hat der Vorstand in grobem Maße gegen den Unternehmenszweck verstoßen, der in der Satzung eindeutig festgelegt ist.
Grundsätze eines sorgfältigen und gewissenhaften Bankmanagement verletzt
Bereits die übermäßige Komplexität und Intransparenz des Verbriefungssektors bedingt nahezu die Unmöglichkeit für den Vorstand, Entscheidungen auf ausreichender Informationsgrundlage zu treffen.
Vorgaben von KWG und AG an ein Früherkennungssystem nicht beachtet
Der Aufsichtsrat hat auch hierbei seine Pflichten erheblich verletzt, denn er hätte nachfragen müssen. Selbst wenn das Kontrollgremium vom Vorstand unzureichend informiert worden sein sollte, habe ihm nicht entgehen können, dass das Management "übergroße und existenzgefährdende Risiken" eingegangen sei.
Organisationspflichten verletzt und unerlaubt seine Verantwortung delegiert
Mit der Auslagerung wesentlicher Teile ihrer Geschäftstätigkeit auf eine Zweckgesellschaft hat der Vorstand seine Organisationspflichten verletzt und unerlaubt seine Verantwortung delegiert.