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Landarztquote: Gut gemeint

Mittwoch, 7. April 2010
Landarztquote: Gut gemeint

Der vage Vorschlag von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Philipp Rösler, eine Landarztquote beim Numerus Clausus einzuführen, ist zwar gut gemeint, aber nicht zielführend. Denn selbst wenn es gelänge, den NC zu modifizieren, die Versorgung auf dem wirklich flachen Land würde sich so nicht sichern lassen. Sollen ausgerechnet die unerfahrensten Jungärzte auf jene Posten, auf denen sie weitgehend auf sich gestellt sind? Werden sich die Landarzt-Aspiranten nicht vielmehr am Rande der Städte, da, wo gerade noch "Land" ist, ansiedeln wollen, nicht aber weit draußen?

Vor allem aber: Was wird mit jenen, die vor Studienbeginn zwar für das Land optiert haben, es sich während des Studiums oder nach dem Staatsexamen aber anders überlegen? Die Bundeswehr, auf die sich Rösler bei seinen Gedankengängen offenbar stützt, hat da so ihre Erfahrungen.

Nein, zielführend wäre eine Studienorganisation, die den Medizinstudenten auch normale Patientenversorgung in normalen Praxen nahebringt, und eine Studienzulassung an der Uni der Region. Denn KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller hat wohl recht: wer Landarzt werden will, denkt zunächst mal an die eigene Heimat (wo er/sie z.B. Vaters/Mutters Praxis übernehmen kann).

Zur Realisierung bedürfte es nicht einmal eines neuen NC-Rechtes. Schon heute werden nur noch 40% der Studienplätze zentral vergeben, den Rest besetzen die Unis. De facto leider auch wieder nach Abiturnote. Denn die Auswahl nach Note ist halbwegs rechtssicher, bequem und kommt  den Hochschulehrern mental entgegen. Die haben als Ärzte nun mal kleine Wissenschaftler vor Augen, nicht aber Landärzte.

Doch wenn sie wollten (oder von ihren Aufsichtsministerien dazu sanft gezwungen würden), könnten sie auch anders. Es wäre doch eine auch wissenschaftlich anspruchsvolle Aufgabe, ein Auswahlverfahren zu entwickeln, das auf die soziale Motivation der Kandidaten abstellt. Es bliebe sodann noch die passende Studienorganisation. Ein weites Feld, auf dem schon viel guter Wille zu Grabe getragen wurde.