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Genurteil: Patente sind keine Erfindungen

Mittwoch, 31. März 2010
Genurteil: Patente sind keine Erfindungen

Ein Gericht in New York hat die Patentierung von Genen grundsätzlich für unzulässig erklärt. In der 152 Seiten umfassenden Urteilsbegründung kommt Richter Robert Sweet zu dem so kurzen wie zutreffenden Schluss, dass man Gene grundsätzlich nicht patentieren kann, weil sie keine Erfindung, sondern eine Entdeckung sind.

In dem Verfahren ging es um Gene des US-amerikanischen Unternehmens Myriad Genetics auf die Gene BRCA1 und BRCA2. Frauen mit Veränderungen in diesen Erbgutabschnitten haben ein erhöhtes Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Aus Mangel an Alternativen sind viele Frauen bereit, den hohen Preis von 3.000 Dollar für diese Untersuchung zu bezahlen, was an sich schon moralisch nicht akzeptabel ist. Dem Unternehmen wird aber außerdem aber auch noch vorgeworfen, seine Kundinnen mit dem Ergebnis alleinzulassen und kaum medizinischen Rat anzubieten.

Auch in Deutschland werden vom europäischen Patentamt in München Patente auf Gene erteilt. Für die Patienten bringt dies allerdings wohl keine Vorteile. Im Gegenteil. Nach Untersuchungen aus den USA haben mehr als die Hälfte aller Diagnoselabors schon einmal die Entwicklung besserer Verfahren eingestellt, weil ihre Arbeit durch ein Patent auf ein bestimmtes Gen blockiert wurde.

Ob die Genpatent-Entscheidung des US-Gerichts Einfluss auf die künftige Patentpraxis haben wird, muss sich noch erweisen. Das hängt wohl auch von den nächsten Instanzen ab. Die Hoffnungen, die noch in den 90er Jahren auf Genpatente gesetzt wurden, sind allerdings offenbar schon lange verflogen. Die Vorgänge in den menschlichen Zellen erwiesen sich nämlich als viel zu komplex, um mit diesen Gendaten viel anfangen zu können.