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Sawicki-Ende, Möwenpick-Spende, Gesundheits-Wende

Samstag, 23. Januar 2010
Sawicki-Ende,  Möwenpick-Spende, Gesundheits-Wende

Nun wird IQWiG-Leiter Peter Sawicki also doch auf die schäbige Weise abserviert. Mittels seiner Spesenpraxis. Ob zu Recht oder Unrecht bleibt ungeklärt. Der IQWiG-Stiftungsrat, der die Personalie am 22. Januar durchwinkte, nachdem sich der IQWiG-Vorstand zuvor schon gegen Sawicki gewandt hatte, hat sich eine diplomatische Begründung einfallen lassen: man will die Institutsarbeit nicht durch eine anhaltende Spesendiskussion beeinträchtigen.

Tatsächlich war Sawickis Ende mit der Koalitionsvereinbarung besiegelt. Union und FDP waren sich einig, die IQWiG-Arbeit pharmafreundlicher zu gestalten. Da störte Sawicki. Man brauchte nur noch einen Vorwand. Als der sich bot, drängten die FDP-Mannen im IQWiG-Vorstand, Röslers Staatssekretär Stefan Kapferer und Georg Baum von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, auf Ablösung.

Die gefällt der Pharmaindustrie. Der kürzliche Wechsel eines Interessenvertreters der Privatversicherung ins Ge­sund­heits­mi­nis­terium freut die PKV.  Minister Philipp Rösler wird aufpassen müssen, dass seine große Gesundheitsreform nicht überlagert wird von Verdächtigungen, er bediene die Interessen ausgewählter Lobby-Gruppen

Röslers Partei ist spätestens seit dem Coup zugunsten der Hotellerie und der ominösen Spende der Möwenpick-Gruppe in der Hinsicht auf der watchlist. Es wäre für die geplante Gesundheitsreform fatal, wenn Rösler auch auf der Liste landete. Denn eine Gesundheitsreform, die primär der Klientel der FDP zu Gefallen ist und dem Großteil der Wähler missfällt, wird keinen Bestand haben.