aerzteblatt.de

Jung und konservativ

Montag, 30. November 2009
Jung und konservativ

Ist die Gleichung "jung=links" überholt? Ist Sozialpolitik nicht länger Domäne der Linken? An der Spitze der verkarsteten Ministerien für Gesundheit und für Arbeit sowie des zusammengewürfelten Ladens für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stehen jetzt drei junge, jedenfalls unverbrauchte Politiker(innen): Köhler, Rösler, von der Leyen. Sie gelten alle als konservativ, egal ob FDP oder CDU, und passen doch nicht ins überkommene Schema, in dem konservativ mit reaktionär gleich gesetzt wird.

Zugegeben, Dr. med. Ursula von der Leyen, seit heute Arbeitsministerin,  ist mit 51 nicht mehr so ganz jung, aber sie wirkt so und verbreitet immer noch Aufbruchstimmung. An der Spitze des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, traditionell eine Hochburg aufrechter Sozialdemokraten oder Sozialauschüssler der Union, wirkt sie geradezu exotisch. (Immerhin, unkonventionell war auch Blüm.)

Kristina Köhler, die neue Ministerin für Familie etc., Dr. phil. (den Doktor hat sie im Februar diesen Jahres quasi nebenbei gemacht)  ist 32. Übrigens nicht die jüngste in diesem Amt, das immer mal als Lehrwerkstatt für Politiker genutzt wurde. Angela Merkel, ja die, war 36, als sie, Kohls Mädel, Ministerin für Frauen und Jugend wurde. Und Claudia Nolte, die jüngste, bekam den Job 1994 mit 28. Sie gilt längst als politisch "tot", trotz der Chance als Ministerin. Also, cave, Köhler.

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Dr. med. Philipp Rösler ist 36. Die Kommentatoren sind ob seiner ersten politischen Äußerungen im neuen Amt etwas ratlos. Der Mann differenziert doch tatsächlich: Solidarität ja, aber nicht immer via GKV, sondern auch über die Steuer.

Alle Neuen haben Bewährungsproben unmittelbar vor sich. Leyen Jobcenter. Köhler Betreuungsgeld, in bar oder als Gutschein. Rösler: die definitive (?) Gesundheitsreform. Man wir sehen, ob sie Stehvermögen haben.

Privatpatient am Donnerstag, 3. Dezember 2009, 19:09
120 Tabellen
Zitat=Andreas Skriepietz:
>Doktor nebenbei gemacht
>Hoffentlich selbst.

Doch. Schon.
Sie habe sich "pro Monat zwei, drei Tage" für die Arbeit an ihrer Dissertatio freigehalten und zusätzlich in den "Weihnachts-, Oster- und Sommerferien" "mal eine oder zwei Woche am Stück" der Arbeit an der Diss. gewidmet.

Zum Thema der Dissertation:

Es gehe um Befragungen zu "Wertvorstellungen". Dazu habe sie "alle ihre Kollegen in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und parallel dazu 1 000 zufällig ausgewählte CDU-Mitglieder aus der gesamten Bundesrepublik" gefragt.

"Der Theorieteil sei in den Sommerferien 2006 und 2007 entstanden. Die statistische Datenanalyse habe sie danach mit einem Statistikprogramm gemacht, nach und nach seien so die insgesamt 120 Tabellen entstanden."

Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/wiesbaden/menschen-unserer-stadt/7008882.htm


Grosswardeyn am Mittwoch, 2. Dezember 2009, 18:20
Doctor Norbertus Blüm
Inconventionell (zu deutsch verrückt vom Üblichen) mag der Hypomane scho' gwesen sein...
Auch ich verdank ihm den Abbau des Gesundheitswesens, die in Wirkungen bis heute dauernde, placative Rentenlüge, privat eine 5-jährige Arbeitslosigkeit in der 2. Hälfte der 1980-er Jahren - mit Auswanderungszwang (dort wurde ich Min.-HAL nach der Wende) - letztlich einen Ictus...
Jedesmal, wenn ich ihn - einen weiten Verwandten des Heinz Rühman - in TV-Talkshows sehen "darf", bewegt sich meine innere "Pumpe" Richtung Sonne und denke an inconventionelle Lösungen...
Andreas Skrziepietz am Dienstag, 1. Dezember 2009, 13:39
Doktor nebenbei gemacht
Hoffentlich selbst. Aber selbst wenn: Bei Medizinern gilt es ja immer als Zeichen qualitativer Minderwertigkeit, wenn man nebenbei promoviert. Also kann man davon ausgehen, daß Frau Köhlers Titel nichts wert ist, ja?