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Wie Walter Moers mir das Lesen rettete

Dienstag, 15. September 2009
Wie Walter Moers mir das Lesen rettete

Ich hatte es mir in etwa so vorgestellt: erst das Examen, dann die Leselust. Ich hatte mir sogar während meiner Examenszeit weiter Bücher und Zeitschriften zugelegt, um die Vorfreude auf das große Lesen weiter zu nähren. Dennoch kam alles ganz anders, denn irgendwie mochte ich nicht mehr lesen. 

Egal was ich lesen wollte: nach wenigen Seiten oder gar Zeilen streikte mein Interesse. Dabei konnte ich den schwarzen Peter außer mir nur noch meinem Wasserkocher und Eco zuschieben. Das Gerät hatte einen penetranten künstlichen Geruch und genannter Autor schreibt mitunter, als gelte es, zu beweisen, dass er mehr Fremdwörter in einem einzigen Roman verwenden kann, als seine gesamte Leserschaft je gekannt haben dürfte. Nicht nur in dieser Kategorie schlägt er nebenbei Roger Willemsen um Längen.

Die Lernphase hatte mich allem Anschein nach traumatisiert. Vermutlich hatte mein Widerwillen gegen das Lernen einfach nur eine längere Halbwertzeit als meine Examensvorbereitung. Dennoch war es nicht notwendig, mich wieder in ein künstliches Vorexamen zu versetzen. Ich ließ mich nämlich befreien. Der edle Ritter hieß in meinem Fall Walter Moers. Mir fehlte noch ein Roman aus der Zamonienserie (die man übrigens meiner Ansicht nach in der richtigen Reihenfolge zu sich nehmen sollte). Die Behebung dieses Mangelzustands löste bei mir so manchen Leseknoten. 

Eigentlich sollte es mir dabei egal sein, ob ich einfach nur zum Ende meiner Leseunlust zu diesem Buch griff oder ob der Schreibstil von Moers ein potentes Mittel gegen einen Überhang von Lesewiderstand ist. Sollte jedoch letzteres der Fall sein, müssten sich unsere wissenschaftlichen Verlage überlegen, ob sie nicht so manches Lehrbuch von Herrn Moers umschreiben lassen wollen.

Liest nun weiter im Schrecksenmeister, 

Euer Anton Pulmonalis