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Diagnostik auf die Schnelle

Dienstag, 8. September 2009
Diagnostik auf die Schnelle

Die beste erdenkliche Diagnostik, die aufwendigste Therapie; sofort und komplikationsfrei, das alles für 10 Euro Praxisgebühr und die Chipkarte – diese frohe Botschaft unseres Ge­sund­heits­mi­nis­teriums hat sich tief in das Stammhirn unserer Schutzbefohlenen eingegraben.

So auch bei meinem Patienten, bei dem ich den Auftrag hatte, sein Herz vor einer anstehenden Operation zu überprüfen. Zum Abschluss schaut er mich fragend an und deutet mit dem Zeigefinger auf seine linke Halsseite. Ich habe verstanden. Einen Farbdoppler der Carotiden soll ich noch durchführen.

„Auf die Schnelle!“ Aber geht das nicht. Wenn ich nun eine hochgradige Stenose nachweise, muss ich ihm schließlich die therapeutischen Optionen erläutern, das verschlingt Zeit, das kann man nicht auf die Schnelle machen.

Außerdem verlangt diese Untersuchung nicht nur ein zeitaufwendiges Vorgehen, nein, der Befund muss auch ausführlich dokumentiert werden. Nicht nur die Kassenärztliche Vereinigung verlangt das zeitraubende Speichern aussagekräftiger Bildserien und detaillierte schriftliche Befunde, bestimmt rückt mir auch das Versorgungsamt auf die Pelle, wenn der Patient seine Carotiden als behindert anerkannt haben will, womöglich eskaliert es bis zum Sozialgericht.

Zudem soll ich die Untersuchung nur bei begründetem Verdacht durchführen, darüber hinaus kriege ich Ärger mit den Kollegen, die derartige Untersuchungen als IGeL-Leistung anbieten. Dass ich die Untersuchung sowieso nicht bezahlt bekomme, ist noch am leichtesten zu verschmerzen. Nein, so teile ich ihm mit, auf die Schnelle kann ich das leider nicht machen. „Macht nichts, meine Parkuhr läuft sowieso ab.“