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Tragisches Schicksal: Tod durch Faulheit

Donnerstag, 25. Juni 2009
Tragisches Schicksal: Tod durch Faulheit

Man soll beim Lernen ab und zu andere Orte für die Arbeit aufsuchen, um lernpsychologische Vorteile zu nutzen. Daher verkroch ich mich neulich in die Küche, um meinem Widerwillen Herr zu werden. Dies gelang mir leider nur bedingt.

Als ich gerade wieder meinen – üblicherweise recht früh auftretenden – Gipfel der Lustlosigkeit erreichte, streifte mein Blick durch die Küche und erblickte am Schrank eine Ameise sitzen.

(An dieser Stelle muss ich ergänzen, dass kleines bis mittelgroßes Getier zu unserer gewohnten Nachbarschaft – anscheinend mit Besuchsrecht – zählt, da unser Studentenwerk das Wohnheim von allen Seiten zuwachsen lässt).

„Seltsam“, dachte ich mir: „Eine untätige Ameise habe ich noch nie gesehen. Sonst sind diese Tiere doch ein Inbegriff des Fleißes.“ Ich verspürte Sympathie mit dem Tier und bildete mir ein, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhe.

Ein wenig später kam der Gedanke, dass ich das Tier mit meiner lerninduzierten Faulheit angesteckt haben könnte. Doch für ein schlechtes Gewissen war kein Platz. Ich lernte weiter, schließlich sind auch Gipfel des Widerwillens dazu da, überwunden zu werden. 

Als ich mir eine gute Stunde später erfolgreich eingeredet hatte, dass es mit dem Lernen erst weiter gehen kann, wenn ich mir den allerstärksten Kaffee der Welt gemacht habe, näherte ich mich meinem liebgewonnenen Motivationsgenossen.

Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass der Grund für seine Untätigkeit nicht in solidarischen Absichten mit einem frustrierten Examenskandidaten zu suchen war, sondern schlichtweg so erklärt werden konnte: das arme Tier war tot! 

Nun waren meine Gedankengänge – wie meine aufmerksamen Leser sicherlich bereits erahnt haben dürften – an diesem Tag besonders weichgekocht. Ganz vom Fleißmotiv besessen kam ich unter Missachtung aller Differentialdiagnosen zu folgendem Ergebnis: Tod durch Faulheit!

Schlagartig setze meine Motivation wieder ein und ich lernte mit Inbrunst. So gesehen hatte das Ableben jener einsamen Ameise – zumindest für mich – einen höheren Sinn. 

Der denkt heute ziemlich vespoid, 

Euer Anton Pulmonalis