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Privatpatienten werden abgezockt, sagt man

Freitag, 12. Juni 2009
Privatpatienten werden abgezockt, sagt man

Privatpatienten werden abgezockt – so die landläufige Meinung. Maximaleinsatz an Maschinenmedizin, Echokardiografie-Tagesprofil, Laboruntersuchungen bis hin zur iatrogenen Mangelanämie; ausschließlich zur Steigerung des Wohlbefindens von uns Ärzten.

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig wie ein Fersensporn. Ich hatte kürzlich eine Privatpatientin mit aszendierender Oberschenkelvenenthrombose stationär eingewiesen, und wundere mit bei deren Entlassung, dass mein sonografischer Befund nicht kontrolliert wurde. Dem muss nachgegangen werden, also rufe ich den Chefarzt an. „Herr Böhmeke, ich brauche Ihre Befunde nicht zu überprüfen. Es werden zu viele Untersuchungen gemacht, das führt zum Kollaps des Systems.”

Zwischen diagnostischer Sicherheit und Schonung der Solidarsysteme hin- und hergerissen, kontrolliere ich kritisch meinen eigenen Befund. Nein, ich hatte mich nicht verguckt, es liegt tatsächlich eine Thrombose vor, die Patientin wird optimal behandelt. Meine Kontrollsonografie werde ich ihr aber nicht in Rechnung stellen. Weil ich mich wohler dabei fühle.