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Gesprächsbedarf

Dienstag, 2. Juni 2009
Gesprächsbedarf

Es ist Freitag, 17.00 Uhr. Ein Patient kommt vorbei und möchte etwas über seine Koronarerkrankung wissen. Ich speise meinen PC mit der CD seiner Herzkatheteruntersuchung, erläutere ihm den Schweregrad der Stenosen, den Entstehungsmechanismus von Plaques, den Einfluss von Risikofaktoren. 17.30 Uhr.

Ich erfrage seine Lebensumstände, wir überlegen gemeinsam, welche Änderungen seines Lebensstils im Rahmen seiner beruflichen Verpflichtungen machbar sind. 18.00 Uhr. Wir gehen alle Eventualitäten durch; welche Komplikationen auftreten könnten, wie er diese verhindern beziehungsweise vermeiden kann. 18.30 Uhr. Kurze Darstellung der verschiedenen Diätformen unter Berücksichtigung seiner diabetischen Stoffwechsellage. 19.00 Uhr. 

„Herr Doktor, wollen Sie nicht auch langsam nach Hause?” Ach ja, zu Hause wird das Essen schon kalt. Wir verabschieden uns, ich in dem Gefühl, viele Aspekte seiner Erkrankung nur fragmentarisch kommentiert zu haben.

Wenn ich den Eindruck habe, dass meine Schutzbefohlenen zusätzlichen Gesprächsbedarf haben, lade ich sie gerne ein, alles nach der regulären Sprechstunde zu erörtern. Komischerweise nehmen nur Wenige dieses Angebot an. Vielleicht gibt es ja Wichtigeres. Das Abendessen zum Beispiel.