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Arzt-Einkommen – ein bisschen Betriebswirtschaft kann Ulla Schmidt nicht schaden

Mittwoch, 1. April 2009
Arzt-Einkommen – ein bisschen Betriebswirtschaft kann Ulla Schmidt nicht schaden

Mit Zahlen über Arzteinkommen wird schon immer Politik gemacht. So ist auch Ulla Schmidts Ankündigung, die GKV-Einnahmen der niedergelassenen Ärzte zu veröffentlichen, einzuordnen. Seitdem geistern wieder einmal wirre Angaben durch die Presse. Mal Umsatz, mal Reinertrag, mal Reineinkommen, mal Durchschnitte, mal dramatische Unterschiede.

Tatsache ist: Es gibt zur Zeit keine validen, nicht-Interessen-gesteuerten, aktuellen Angaben über ärztliche Einkommen. Am soldidesten ist noch die Kostenstruktur-Statistik des Statistischen Bundesamtes. Doch die ist leider veraltet. Sie stammt aus einer 2004 erhobenen repräsentativen Stichprobe, basierend auf Zahlen aus 2003. Das Amt erfasst Umsätze aus GKV+PKV und zieht davon die betrieblichen Aufwendungen ab. Das Ergebnis ist der Reinertrag einer Praxis. Was betriebswirtschaftlich gesehen fehlt, ist der Ansatz des Unternehmerrisikos.

Schon gar nicht ist der Praxis-Reinertrag mit dem Reineinkommen aus ärztlicher Tätigkeit gleich zu setzen. Denn abzuziehen sind noch persönliche Steuern, Krankenversicherung und Altersversorgung. Das Ergebnis dürfte weitaus geringer ausfallen, als in der öffentlichen Meinung gemutmaßt wird. Die Ärzte sollten deshalb getrost selbst offensiv mit ihren Zahlen heraus rücken und wahrheitsgemäße, typische Beispeilrechnungen vorlegen. Dann zeigt sich, dass ihre Arbeit das Geld wert ist.

Noch was zu Ulla Schmidts Drohung: Die Rede ist von der Veröffentlichung von Durchschnitten. Sie sollte mal beim Statistischen Bundesamt nachfragen, ob die aussagefähig sind. Sie sind es nicht, weil - eine wenig Propädeutik sei erlaubt - Durchschnitte, in die weit auseinanderklaffende niedrige Werte eingehen, in die Irre führen. In dem Fall ist der Median der bessere Wert. So bei den Arzt-Einkommen: Durchschnitt und Median weichen stark voneinander ab.

Und nun, obwohl nicht gerade taufrisch, ein paar Zahlen, um das zu belegen: Der Durchschnitt der Einnahmen aller Praxen lag 2003 bei 354 000 Euro, der Median bei 264 000 Euro. Die davon abzuziehende Kostenquote betrug 2003 exakt 53,6 % (Tendenz übrigens steigend). So kommt ein Reinertrag von durchschnittlich 164 000 Euro zustande, der Median liegt bei 119 000 Euro.

Ein paar Beispiele von Reinerträgen je Praxis nach Fachgruppen in Euro: Allgemeinärzte 134 000 (Durchschnitt), 109 000 (Median), Gynäkologen 181 000 (Durchschnitt), 115 000 (Median), Augenärzte 181 000 (Durchschnitt), 115 000 (Median), Orthopäden 231 000 (Durchschnitt), 163 000 (Median), Radiologen und Nuklearmediziner 551 000 (Durchschnitt), 359 000 (Median) 

Gerhard Kocher am Freitag, 3. April 2009, 19:10
Lebenseinkommen
Wenn die letzten einigermassen zuverlässigen Zahlen von 2003 (!) stammen, ist einiges faul.
Übrigens müsste man für gerechte Vergleiche zwischen Berufen nicht das Jahres-, sondern das Lebenseinkommen vergleichen. Das gibt oft ein ganz anderes Bild.