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Die zweite Tapete

Dienstag, 24. März 2009
Die zweite Tapete

Seit ich für das Examen lerne hat sich nicht nur mein gedankliches Innenleben verändert. Auch unsere WG leidet ein wenig unter der Examensvorbereitung. Zumindest optisch…

Vor allem das Bad und die Küche sind schwer gezeichnet. Sobald ich nämlich den Eindruck habe, dass ich mir etwas auch beim zehnten Aufnehmen nicht merken kann oder dass ich etwas sicherlich beim nächsten Aufwachen nicht mehr weiß oder nach dem nächsten Kapitel mit anderem (Kurzzeit-)Wissen überschrieben habe, muss ein Zettel oder Poster für die Alltagsplätze her.

So kann ich beispielsweise vom Örtchen aus sehen, welche Erkrankungen HLA-B27 positiv bzw. seronegativ sind und was es mit der Differenzialdiagnose zwischen der Bechterewerkrankung und dem Morbus Forestier auf sich hat. Beim Zähneputzen erinnern mich einige kleine Zettel an kleine Sachverhalte wie beispielsweise die Schadstoffe in Autoabgasen. Und wenn ich mir in der Küche Kaffee mache, fällt mir wieder ein, warum ich bei den Endo-, Myo- und Epikarditiden in der Vergangenheit gerne auf IMPP-Tricks reingefallen bin.

Wenn meine Freundin die Wohnung verlässt, scherzt sie gerne: „Und vergiss nicht Anton: Glukokortikoide hemmen die Calciumresorption aus dem Darm.“ Na, wenigstens hat sie einen Wissensgewinn durch die zweite Tapete.

Euer Anton Pulmonalis