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Spätabbrüche: Regelung ist längst überfällig

Mittwoch, 18. März 2009
Spätabbrüche: Regelung ist längst überfällig

Spätabbrüche sind für die betroffenen Frauen, aber auch für die Ärzte eine große Belastung. Darauf hat die Bundes­ärzte­kammer bereits seit Jahren hingewiesen. Bisher sieht das Gesetzbuch für eine straffreie Spätabtreibung weder ein Beratungsgespräch noch eine Bedenkzeit vor. Doch trotz dieser offensichtlichen Regelungsdefizite schreckte die Politik offenbar davor zurück, den § 218 Strafgesetzbuch aufzubrechen und eine erneute Grundsatzdiskussion über die Abtreibungsproblematik heraufzubeschwören.

Dass die Vorschriften zum Schwangerschaftskonfliktgesetz dringend geändert werden müssen, haben jedoch inzwischen wohl auch die Politiker erkannt. Der Bundestag setzt sich jedenfalls jetzt endlich mit entsprechenden Gesetzentwürfen auseinander. Darin wird beispielsweise gefordert, dass Ärztinnen und Ärzte verpflichtet werden sollen, nach einem auffälligen Untersuchungsbefund umfassend medizinisch zu beraten. Eine geforderte Bedenkzeit von drei Tagen ist ebenfalls zu begrüßen.

Schließlich brauchen Eltern Raum und Zeit, um die Nachricht über einen auffälligen Befund zu begreifen und zu verarbeiten. Besonders wichtig ist außerdem eine enge Verknüpfung von medizinischer und ergänzender psychosozialer Beratung. Das haben mehrere Modellprojekte bisher schon eindrucksvoll erwiesen. Nicht zuletzt aber muss alles dafür getan werden, damit Menschen mit Behinderung die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird. Da liegt leider immer noch vieles im Argen.

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