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Sterbehilfe und Marketing

Dienstag, 24. Februar 2009
Sterbehilfe und MarketingDer Tübinger Theologe Hans Küng und (der von Küng so bezeichnete) "große Rhetor" Walter Jens veröffentlichen gerade eine aktualisierte Fassung ihres Buches über die Sterbehilfe ("Menschenwürdig sterben", bei Piper). Jens kann zu der Neu-Fassung nicht viel beigetragen haben, denn er ist dement, wie das Publikum spätestens seit einer story im "stern" (15/2008) weiß, in der Jens´ Elend öffentlich ausgebreitet wurde. 

Passend zum Erscheinen des Buches erhielt Küng im Feuilleton der FAZ (vom 21. Februar) die Gelegenheit, für die aktive Sterbehilfe zu werben. Offenbar auch bei Demenz, denn "aufgehängt" ist Küngs Artikel an Walter Jens.

Im Fall seines Freundes Walter allerdings zögert Küng: "Deutlicher als früher ist mir jetzt bewusst, dass man angesichts eines Menschen, der keine körperlichen, sondern nur seelische Schmerzen erfährt, sich nicht befugt sehen kann einzugreifen, ja, dass unter Umständen nichts anderes übrig bleibt als den Lauf des Geschehens einer anderen, höheren Instanz anheimzustellen." So Küng, wieder ganz Theologe.

Ob Jens überhaupt an "seelischen Schmerzen" leidet, erfährt der Leser nicht. Er bleibt ratlos zurück wie hunderttausende in unserem Lande, die sich um demente Angehörige und Freunde kümmern, ohne es an die große Glocke zu hängen.

Zeitgleich mit dem Küng-Jens-Buch veröffentlicht Jens' Sohn Tilman sein Buch ("Demenz", Gütersloher Verlagsanstalt), das die väterliche Krankheit und ein problematisches Vater-Sohn-Verhältnis behandelt. Zumindest das Marketing scheint gelungen.