ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2009Organbestattung: Ein pietätvoller Weg

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Organbestattung: Ein pietätvoller Weg

Dtsch Arztebl 2009; 106(37): A-1780 / B-1529 / C-1497

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Körperteile aus der Rechtsmedizin, die bislang als „Sondermüll entsorgt“ wurden, wurden jetzt in Köln würdevoll beigesetzt.

Eine Bestattung besonderer Art fand Ende August auf dem Kölner Melatenfriedhof statt. Dort wurden nämlich Gehirne, Herzen und Skelette beigesetzt. „Gelegentlich werden bei Bauarbeiten ganze Skelette gefunden, bei denen dann durch unsere Untersuchungen eine Liegezeit von 50 und mehr Jahren herauskommt, sodass sich kein Ermittlungsverfahren mehr anschließt“, berichtete Prof. Dr. med. Markus Rothschild, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Köln. Gelegentlich komme es auch vor, dass anlässlich einer Obduktion ein ganzes Organ zurückbehalten werden müsse, wobei dies vor allem Gehirne und Herzen betreffe.

Wenn diese Organe dann nachpräpariert worden seien oder das Verfahren eingestellt beziehungsweise die Aufbewahrungsfrist verstrichen sei, würden sie „entsorgt“. Der Körper des Verstorbenen sei zu diesem Zeitpunkt bereits seit Wochen, Monaten oder manchmal sogar Jahren eingeäschert oder beerdigt worden. Die „Entsorgung“ dieser Organe und Skelette geschehe über spezielle Betriebe, die ansonsten medizinischen Abfall wie zum Beispiel blutige OP-Tupfer, aber auch Gewebe aus der Pathologie verbrennen. „Die Vorstellung, dass ein von uns aufbewahrtes beziehungsweise nachpräpariertes Gehirn oder Herz ,entsorgt‘ wird, erfüllt mich und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon seit Langem mit Unbehagen, und wir haben nach einem pietätvollen und ethisch anspruchsvollen Weg gesucht. Jetzt werden sie endlich würdevoll beigesetzt“, sagte Rothschild. Zwar sei es durchaus möglich, dass die Organe an der Grabstelle des Verstorbenen nachbestattet werden könnten.

Doch das geschehe in Köln nur ein- oder zweimal jährlich. Bereits im Jahr 2004 hatte Rothschild mit dem Geschäftsführer der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner, Josef Terfrüchte, über sein Unbehagen beim Umgang mit den Herzen und Gehirnen der Verstorbenen gesprochen. „Meine zunächst eher rhetorisch vorgetragene Idee eines Institutsgrabes zur Beisetzung wichtiger Organe wurde sofort aufgenommen.“ Terfrüchte sei spontan bereit gewesen, das Projekt zu unterstützen. Bis eine geeignete Stelle auf dem Friedhof gefunden war und die Stadt den Plänen zugestimmt hat, waren allerdings noch mal fünf Jahre verstrichen. Die Zeremonie selbst fand dann in kleinem Rahmen statt.

Ein solcher Festakt ist bisher deutschlandweit wohl einmalig. Ähnliche Verfahrensweisen gibt es allerdings auch in anderen Städten. So wies der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Prof. Dr. med. Klaus Püschel, darauf hin, dass in Hamburg „auf einer Ehrenanlage auf dem Friedhof Öjendorf sämtliche Überreste von Verstorbenen, die zeitweilig hier asserviert waren, nach Kremierung ehrenbestattet werden“. Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt räumte Rothschild ein, dass er in Köln von so günstigen Voraussetzungen ausgehen konnte, wie es sie in anderen Städten sicherlich nicht gebe. So seien dem Institut keinerlei Kosten entstanden, da unter anderem die Genossenschaft die Grabpflege und die städtischen Gebühren übernommen habe. Dennoch könnte das Projekt vielleicht auch Nachahmer finden, hofft der Rechtsmediziner. In der Domstadt ist eine solche Organbestattung alle zwei Jahre vorgesehen.
Gisela Klinkhammer
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